Blog #009 Wie finde ich einen Therapiepatz?

Schön, dass du wieder da bist. Heute möchte ich eine sehr konkrete Hilfestellung geben, wenn du einen Psychotherapieplatz suchst. Wenn du einen Therapeuten vor Ort suchst, dann erfährst du hier, wie du dabei vorgehen kannst und worauf du achten solltest. Wann macht es eigentlich auf jeden Fall Sinn eine Psychotherapie zu beginnen? Dazu gab es ja schon die Folge1. Dein Leid ist entscheidend. Ergänzend macht es dann Sinn, wenn du in einer Abwärtsspirale bist, du merkst dass deine Symptome immer schlimmer werden. Dann würde ich dir raten, ganz schnell Hilfe zu suchen. Zudem wenn du mit Süchten zu tun hast, wenn du irgendwelche Suchtmittel konsumiert, von denen du alleine nicht loskommst. Und auf jeden Fall auch, wenn du irgendwelche Wahnideen entwickelt hast. Andere Leute sagen dir mit entsprechender Dringlichkeit: „Mit dir stimmt was nicht. Du siehst Dinge die überhaupt nicht da sind. Du verrennst Dich da viel zu tief in etwas!“

Wichtig-  du bist du nicht verrückt, sondern du bist an einer Stelle in deinem Leben, an der deine Ressourcen nicht ausreichen um selbstständig aus der Krise wieder herauszukommen. Das passiert fast jeden in seinem Leben irgendwann mal. Die einen finden diese Hilfe in ihrem Umfeld, bei Freunden, vielleicht in der Partnerschaft. Andere finden die bei ihrem Hausarzt. Und wieder andere entscheiden sich für einen Psychotherapeuten, einem Experten für bestimmte Fragestellungen. Du brauchst neue Impulse und einen erneuten Zugang zu deinen Ressourcen, den du irgendwie verloren hast.

Wer ist eigentlich dafür zuständig dass du eine Psychotherapie bekommst? Das ist tatsächlich deine Krankenkasse (KK). Die KK hat einen sogenannten Versorgungsauftrag. Das heißt, die KK muss sicherstellen, dass du die Facharzt-Behandlung bekommst, die du benötigst. Deswegen ist dein erster Ansprechpartner auf jeden Fall deine KK.

Wenn du privat oder in der Beihilfe versichert bist, dann ist es relativ einfach. Die meisten private KKs bieten mittlerweile Dienste an, die Psychotherapeuten in deiner Nähe vermitteln. Du hast keinen großen Formalkram zu bewältigen. Die KK schickt i.d.R. einige Formulare zu, die du mit dem Therapeuten ausfüllst. Du solltest vorher unbedingt noch prüfen, ob Psychotherapie in deinem KK- Tarif als Leistung enthalten ist und ob es irgendwelche Beschränkungen (z.B. 20 Stunden im Jahr) gibt. Gerade in den neueren, eher günstigeren, Privatversicherungstarifen wird das Thema Psychotherapie häufig ausgeklammert. Damit du keine böse Überraschung erlebst, prüf das bitte. Bist du bei der Beihilfe versichert, würde ich dir empfehlen bei der Beihilfe Stelle anzurufen. Auch die schicken dir Dokumente zu ,die du mit zum Psychotherapeuten nehmen musst. Das Gute für Privat und Beihilfe Versicherte: Du bist in deiner Wahl von Psychotherapeuten relativ frei. Es wird i.d.R. nur gefordert, dass es sich um einen Psychologischen Psychotherapeuten in einem anerkannten Richtlinienverfahren handelt. Ob er/sie das ist, kann dir Therapeut sofort beantworten. Suchen kannst du neben dem Anruf bei deiner KK über die Gelben Seiten, Google, diverse Therapeuten-Portale (www.therapie.de).

Wenn du gesetzlich versichert bist, was ja die Mehrzahl der Deutsch (ca. 87%) ist, dann funktioniert das System etwas anders. Du brauchst deine KK eigentlich nicht zu kontaktieren, sondern du wendest dich an die sogenannte kassenärztliche Versorgungsstelle (KV). Die KV ist nach Bundesländern organisiert. Auf der Seite der https://www.bundesgesundheitsministerium.de/?id=368 oder der Kassenärztlichen Bundesversorgung erhälst du die Telefonnummern der Sprechstundenvergabestelle. Dort vermittelt man dir als erstes einen sogenannten Sprechstunden-Termin. Sprechstunde-Termin ist seit 01.04.2018 Pflicht. Innerhalb der nächsten vier Wochen nach deinem Anruf sollte dieser stattfinden. In dieser psychotherapeutischen Sprechstunde triffst du einen Psychotherapeuten und schildert erstmal, welche Symptome du hast. Er/sie gibt dir dann eine Rückmeldung darüber, ob er/sie glaubt, dass dein Zustand behandlungsbedürftig ist. Oder er schlägt dir andere Dinge vor, die tun solltest (z.B. irgendwelche organischen Ursachen abklären). Nach dieser psychotherapeutischen Sprechstunde bekommst du ein Formular, das sog. PT 11. Auf diesem Formular kreuz der Therapeut an „braucht eine Behandlung“ oder „braucht dringend eine Behandlung“.

Dieser Therapeut ist meist nicht derjenige, bei dem du später die Therapie machst. (Achtung: Dieses Verfahren haben sich nicht die Therapeuten ausgedacht. Dass kommt von der KV und dem Gesundheitsministerium.) Psychotherapeuten sind verpflichtet die Sprechstunde anzubieten, selbst, wenn sie keine freien Therapieplätze haben.  Ich möchte meine Meinung zu dem System hier an der Stelle gar nicht kundtun, das würde ausufern.

Also, mit dem PT 11 in der Hand, suchst du nun einen freien Therapieplatz. Die KV plant in absehbarer Zeit auch solche zu vermitteln, das klappt derzeit aber noch nicht.  Umgebung da ist es aber tatsächlich noch nicht (Stand Januar 2019). Also, wie kannst du vorgehen? Suchen kannst du neben dem Anruf bei deiner KK auch über die Gelben Seiten, Google, diverse Therapeuten-Portale ( https://www.therapie.de ). Auch die KV bietet auf Ihrer Seite eine Suchfunktion nach PLZ an https://www.kbv.de/html/arztsuche.php . Da kannst du zumindest sicher sein, dass es sich um einen Psychologischen Psychotherapeuten mit Kassenzulassung handelt. Das ist wichtig für dich, so einen brauchst du. Auch die Deutsche Psychotherapeuten Vereinigung hilft dir https://www.deutschepsychotherapeutenvereinigung.de/nc/patienten/psychotherapeutensuche/ . Es gibt auch noch den Psychotherapie Informationsdienst der Psychotherapeutenkammer https://www.ptk-nrw.de/de/patienten/nrw-wbrpsychotherapeutensuche.html . Welche Info du derzeit nirgends findest – hat der gefundene Therapeut einen freien Platz für dich? Da hilft nur telefonieren. Je nachdem, wo du wohnst ein langwieriger Prozess, denn es gibt kaum freie Plätze. Jeder Therapeut muss zu bestimmten Zeiten eine telefonische Erreichbarkeit sicherstellen. Meist erfährst du die über den Anrufbeantworter. Teils gibt es Warteliste, teils nur Absagen. Ich wünschte, ich könnte dir etwas anderes sagen.

Lange Zeit bestand für Psychotherapeuten ohne Kassensitz (dazu gehöre ich auch) die Möglichkeit gesetzlich versicherte Patienten im sogenannten Kostenerstattungsverfahren zu behandeln. Vermutlich aus eher politischen und ökonomischen Gründen verweigern die meisten KKs das derzeit (Stand Januar 2019). Und das obwohl sie in den meisten Gebieten Deutschland nicht genug Therapeuten mit Kassenzulassung haben. Das verstehe wer will. Du als Patient leidest und mir als Therapeutin mit freien Plätzen sind die Hände gebunden. Es ist ein Skandal.

 

Nun möchte ich doch um ein bisschen Verständnis für meine Kollegen bitten. Die Therapeuten mit Kassenzulassung sind häufig komplett ausgelastet. Die wissen, dass sie im nächsten Jahr keinen Therapieplatz zur Verfügung stellen können. Du kannst dir nicht vorstellen, wie viele Anrufe am Tag bekommen. Alleine das Rückrufen, um zu sagen „Tut mir leid.“ dauert manchmal über eine Stunde. Ich weiß, dass deine Not sehr groß. Ich erkläre nur, dass das System auch für die Therapeuten alles andere als schön ist. Also bekommst du vielleicht keinen Rückruf. Mach das alles. Verliere nicht den Mut und telefoniere weiter. Rufe wiederum bei deiner KK an und nimm die in die Pflicht.  Sag denen: „Ich habe telefoniert! Ich habe 15 Leute. Ich komme nicht weiter und ich kann nicht mehr! Ich brauche so dringend Hilfe!“ Das wäre tatsächlich der richtige Weg, denn hier beginnt die Misere. Die KK hat der KV den Auftrag gegeben, dafür zu sorgen, dass du ein Psychotherapieplatz bekommst, wenn du ihn brauchst. Dann soll die dir bitte auch erklären, wie du diesen Therapieplatz findest. Ich wünsche dir, dass gut läuft. Dass du Glück hast, dass du jemanden erreichst, der sagt: „Hey ja, zufällig ist gerade ein Platz frei und sie können den haben. „

Je flexibler die Zeiten sind, zu denen du kommen kannst, desto einfacher wird es natürlich. Es sind die Abendstunden, die sehr begehrt sind, weil die meisten Menschen berufstätig sind. Wenn du es tagsüber irgendwie einrichten kannst zur Therapie zu gehen, wird das deine Chancen erhöhen einen Therapieplatz zu finden.

Also, die erste psychotherapeutische Sprechstunde hatten wir besprochen. dann kommen ja die sogenannten probatorischen Sitzungen, 4 Stück insgesamt. Das heißt, du hast mit dem Therapeuten die nächsten vier Sitzungen, um ihn kennen zu lernen, das Problem zu definieren und Ziele festzulegen. Die persönliche Beziehung, die Chemie sollte hier auch getestet werden. Ohne gute Beziehung kein guter therapeutischer Prozess. Ein Patient, der zunächst eine andere Therapeutin kennengelernt hat, sagte kürzlich mal zu mir: „Ich saß da einem Hobbit gegenüber. Es war ein Wesen, es war nicht von dieser Welt.“ Guck, dass du jemanden findest, der zu dir passt. Hol dir lieber erstmal Hilfe über andere Kanäle, bevor du da einen großen Kompromiss eingehst. Spätestens am Ende erklärt der Therapeut dir, welche Art von Therapie er vorschlägt und welche Stundenzahl er erst einmal anvisiert. Abhängig davon stellt er ggf einen Antrag bei der KK. Dann könnt ihr endlich richtig anfangen. Es geht los! Du kannst mit deiner Therapie beginnen und dann kann man eigentlich nur sagen Herzlichen Glückwunsch zu deinem Therapieplatz. Du bekommst Hilfe Unterstützung neue Impulse andere Perspektiven.

Wenn du weitere Fragen hast, dich etwas ganz Spezifisches mehr interessiert, lass es mich bitte wissen. Wenn du die Folge gefallen hat, freue ich mich, wenn du die Folge mit anderen teilst. Ich wünsche ich Dir für Deine Suche „Toi, toi, toi.“ Hab‘ einen schönen Tag, deine Sabine.