Blog #013 Burnout. Zeit für Veränderung

Heute möchte ich mit dir über das Thema Burnout reden. Vielleicht bist du selbst in einem Burnout? Oder du bist nicht sicher, ob es ein Burnout ist? Oder du kennst jemanden, der sich in einem Burnout befindet?
Ich würde dir heute gerne eine Idee geben, woran du erkennen kannst, ob ein Burnout vorliegt. Ich würde dann gern darauf schauen, was das mit dir zu tun hat. Und dir erste Ideen geben, wie du da rauskommst.

Mittlerweile ist Burnout ein gesellschaftlich wichtiges Thema. In Deutschland leben ungefähr 80 Millionen Menschen. Schätzungen zufolge leiden drei bis fünf Millionen davon an einem Burnout, Tendenz steigend. Wieso ist das so? Keiner weiß es so genau. Die sogenannte „Leistungsgesellschaft“ ist sicher eine Ursache. In dieser Gesellschaft sind die Menschen, die viel arbeiten, viel Geld verdienen, sehr erfolgreich sind, sehr viel wert. Unsere Eltern haben uns solche Themen mitgegeben oder vorgelebt. Ich denke da zum Beispiel an meine Eltern. Sie sind Ende der 30ziger Jahre geboren, die Kriegsgeneration. Sie sind beide mittlerweile 80. Durchhalten, sich hocharbeiten, das war für sie etwas ganz Wichtiges. Und das haben sie mir natürlich in meiner Erziehung mitgegeben. Ein hohes Leistungsmotiv, ein hoher Leistungsanspruch waren die Folgen. Vielleicht ist das auch dein Thema? Und das hat Konsequenzen, weil ein Mensch mit hohem Leistungsmotiv dazu tendiert, an seinen Bedürfnissen vorbei zu leben. Zum Beispiel den Bedürfnissen nach Ruhe und Erholung. Oder an dem Bedürfnis nach freien Entscheidungen. Fest in einem beruflichen Korsett, werden die wenigsten diesem Bedürfnis gerecht. Unsere Bedürfnisse werden vergessen. Unser System kommt in ein Ungleichgewicht. Es entsteht Dauerstress. Und Dauerstress ist etwas, was für unser Körper-Seele-System nicht gut auszuhalten ist. Auf der körperlichen und der psychischen Seite produzieren wir dann plötzlich Symptome. Das System wehrt sich. Es wird fehleranfällig. Alles Zeichen, die uns eigentlich zeigen sollen: Achtung! Hier entsteht eine Schieflage. Du solltest was verändern. Aber leider ordnen wir die Warnsignale unsere Psyche zum Beispiel dem Leistungsmotiv unter. Dauerstress führt dann zu Folgeerkrankungen wie Bluthochdruck, Herzrasen, Rückenschmerzen und chronischen Darmprobleme. Herzinfarkt. Unser Körper-Seele-System ist da sehr einfallsreich. Es produziert nämlich jede Menge unterschiedlichster Symptome, Intensität steigend.

Ich bin ein großer Fan dieses Systems. Der menschliche Körper ist ein Wunderwerk- in vielerlei Hinsicht. Und das gilt tatsächlich auch für das Zusammenspiel zwischen Körper und Seele. Es gibt da einen schönen Spruch, den ich sehr mag: Sagt die Seele zum Körper: „Geh du vor. Auf mich hört er nicht.“ Wenn unsere Seele Signale schickt, sind wir häufig noch gut darin, diese zu ignorieren. Dann kommt der Körper ins Spiel mit immer massiveren Beschwerden. Damit wir endlich aufwachen. Ein tolles Warnsystem, was uns die Evolution mitgegeben hat. Ein wirklich tolles Wunderwerk. Wir müssten es nur annehmen und es verstehen.

Damit dir das besser gelingt, würde ich nun gerne einmal fünf Bedürfnisse vorstellen, die jeder Mensch hat. Das erste ist das Bedürfnis nach sicherer Bindung zu anderen Menschen. Das zweite Bedürfnis ist nach Autonomie/Kompetenzerleben. Das dritte Bedürfnis bezieht sich auf die Freiheit, nämlich die Freiheit berechtigte Bedürfnisse und unsere Emotionen ausdrücken zu dürfen. Das vierte Bedürfnis ist das Bedürfnis nach Spontanität und Spiel. Und das fünfte Bedürfnis, realistische Grenzen zu setzen und die Kontrolle zu behalten. Diese Bedürfnisse hat jeder Mensch und diese Bedürfnisse hast auch du. Du möchtest in sicherer Bindung mit anderen Menschen leben. Du möchtest autonome Entscheidung treffen, dich kompetent fühlen, wissen wer du bist und was du kannst. Du möchtest Freiheiten haben. Du möchtest deinen Bedürfnissen entsprechend leben können. Du möchtest deine Gefühle ausdrücken dürfen. Du möchtest Zeiten haben, in denen du spontan sein kannst und spielerisch unterwegs sein kannst. Auch du möchtest dir selbst und anderen realistische Grenzen setzen und Kontrolle über dein Leben, über deine Entscheidungen haben. Knackiger wird das noch, wenn wir das auf die Bedürfnisse in Kindheit und Jugend herunterbrechen. Jugendliche möchten eine körperliche Sicherheit, eine stabile Basis, eine Vorhersagbarkeit, Versorgung. Und Aufmerksamkeit, Akzeptanz und Lob. Empathie, Anleitung und Schutz. Eine Validierung von Gefühlen und Bedürfnissen. Das heißt, die Bestätigung: Du fühlst richtig. Vertrau‘ deinen Gefühlen. Bleib bei dir. Und sie möchten Neugierde und möchten entdecken dürfen.

Im Burnout ist da irgendwo ein Mangel.  Zum Beispiel beim Thema Freiheit. Wenn du im Beruf gefordert bist, vielleicht irgendwo in einer Führungsrolle viel Verantwortung hast, da ist es dann auch ganz schnell vorbei mit der Freiheit. Oder du musst zuhause sehen, dass der Laden läuft, weil du zwei kleine Kinder versorgen musst. Da ist es auch ganz schnell vorbei mit Freiheit. Du wirst quasi durch die Kinder „getaktet“, durch deren Versorgungsansprüche (Hunger, Durst, Schlaf, Entertainment).  Das heißt für Dich: Du solltest dir in anderen Lebensbereichen Freiheiten besorgen. Es sollte Zeiten in der Woche geben, in denen du frei entscheiden darfst. Damit dieses Bedürfnis insgesamt nicht zu kurz kommt. Okay- ich gehe schon in die Lösung. Wir bleiben erstmal beim Problem. Also – wenn du dich in einem solchen Zustand befindest, in dem diese Bedürfnisse keinen ausreichenden Raum bekommen, bekommt dein System Stress. Und wenn du lange im Stress bist, dann bekommst du Körpersymptome oder „Seelen-Symptome“. Irgendwann im Rahmen des Burnouts endet das Ganze in einer massiven Erschöpfung. Nichts geht mehr.

Depression könnte man auch dazu sagen.

Wir leisten zunächst aus gutem Grund. Es geht um unsere Bedürfniserfüllung. Führ dir die helfenden Berufe zum Beispiel einmal vor Augen führen. In seinem Extrem „das Helfer-Syndrom“. Diese Leute setzen kaum Grenzen, sind immer für andere da, weil sie diesen Kontakt mit Menschen nutzen, um das Bedürfnis nach Nähe und Anerkennung zu stillen. Sie wollen eigentlich seelische Berührung, Verbundenheit. Sie wollen Kontakt mit Menschen. Aber je mehr sie leisten und je mehr sie ausbrennen – das ist paradox- desto weniger bekommen sie das.  Wei die Arbeit zur Pflicht wird. Und dann ist der zwischenmenschliche Kontakt häufig nicht mehr angenehm, wird zur Belastung. Ein solcher Mensch -vielleicht kennst du das von dir selber auch- wird oft ungerecht anderen gegenüber. Ungeduldig. Er hört anderen nicht mehr richtig zu. Er ist mit seinen Gedanken nicht im Gespräch. Teilweise isoliert er sich sogar, zieht sich raus aus sozialen Kontakten. Da siehst du schon, obwohl es eigentlich um das Bedürfnis geht, mit Menschen in Kontakt zu kommen, führt der Burnout genau ins Gegenteil. Und da haben wir wieder einen Teufelskreis, weil das Bedürfnis noch stärker unterversorgt wird. Die Person fängt noch mehr an zu leisten. Leider macht unser Verstand diesen Fehler häufig:  mehr desselben ist die angebliche Lösung. Wenn du dich noch mehr anstrengst, noch mehr Leistung bringe, dann bekommst du endlich das, was du willst. Flüstert der Verstand uns ein. Nämlich die Wertschätzung, die Anerkennung, die Zuneigung, die du dir wünscht. Das stimmt nicht! Und wenn du erst mal im Burnout bist, funktioniert das Ganze erst recht nicht mehr. Das Bedürfnis wird immer stärker unterversorgt und dadurch kommt immer mehr Mangel und Not zustande und immer mehr unangenehme Gefühle.

 

Wenn man mit Burnout Patienten arbeitet, dann fällt eines auf: nach der akuten Krise sind sie unheimlich dankbar. Dankbar für diese Erschöpfung, den Zusammenbruch. Wenn du gerade drinsteckst, ist das schwer vorstellbar. Die Voraussetzung für die Dankbarkeit ist die Erkenntnis, dass der Zusammenbruch notwendig ist für die Neuausrichtung. Die Bedürfnisse bekommen wieder einen Raum und eine Veränderung wird spürbar. Dieser Weg wird über das Burn-Out geöffnet.

Und jetzt kommen wir zu den klassischen drei Schritten jeder Behandlung. Der Transfer: Was hat das mit dir zu tun? Ich ermutige dich: setz dich einmal hin, nimm‘ die Liste mit den Bedürfnissen aus den Shownotes. Und prüfe mal – wo & wie, in welcher Häufigkeit lebst du diesen Bedürfnissen entsprechend? Diese Selbstanalyse deiner individuellen Situation ist sehr wichtig. Verstehe, wodurch du „verführt“ wirst, anders zu leben, als es dir eigentlich guttut. Welche Bedürfnisse sind untererfüllt? Welche Körpersymptome zeigen das?

Und dann werfen wir jetzt noch einen Blick auf die Lösung. Wie kannst du dich denn auf den Weg machen? Und hier kommen erste Ansatzpunkte. Wenn dein Bedürfnis zum Beispiel „Bindung/Nähe zu anderen Menschen“ ist, dann suche dir Möglichkeiten für den Kontakt. Wo triffst du Menschen mit ähnlichen Interessen? Welche Gruppen, Vereine, Tätigkeiten kommen dafür in Frage? Integriere DICH in Gruppen. Das können die Arbeitskollegen sein, das können völlig neue Gruppen sein. Du musst vor die Tür, du musst raus. Reaktiviere deinen Freundeskreis, aktiviere Bekanntschaften von früher. Versuche in den Kontakt zu kommen. Es sind mehr Menschen als einsam, als du dir vorstellen kannst.

Wenn eher das Bedürfnis nach Freiheit unterversorgt ist: Wo in deinem Leben kannst du dir Bereiche schaffen, in denen du Freiheit erleben kannst? Wie kann das gehen? In einer der letzten Folgen hatte ich eine Waage zwischen Pflichten und angenehmen Aktivitäten dargestellt. Du brauchst vermutlich „Zeiten“, über die du frei bestimmen kann. Den Freiraum Dinge zu tun, die dir guttun.

Ales was in der Depressionsbehandlung funktioniert, funktioniert auch beim Burnout. Häufig wird Burnout ja auch mit der Depression in einem Atemzug genannt. Ein für mich passender Spruch lautet: Ein Burnout ist eine Depression, die man sich erarbeitet hat. Ein bisschen zynisch. Trifft es aber eigentlich ganz gut.

Also alles, was bei der Depression hilfreich sein kann, funktioniert auch für Menschen, die im Burnout sind. Also funktioniert auch das Waage-Modell. Sorge für eine Balance zwischen Pflichten und positiven Aktivitäten. Lerne mit dir mit dir selbst in den Kontakt zu kommen. Du hast den Kontakt zu deinen Bedürfnissen verloren. Du fühlst häufig im Burnout überhaupt nicht mehr, was dein Bedürfnis genau ist. Ein gutes Beispiel ist Hunger. Menschen, die sich im Burnout befinden, spüren ihre Hungergefühle einfach nicht mehr. Weil sie mit ihrem Kopf ganz woanders sind. Weil sie keine Aufmerksamkeit mehr übrighaben, um wahrzunehmen, was der Körper für Signale schickt. Erst wenn sie dann wirklich schwersten Hunger haben, dann fangen sie an, Dinge sinnlos in sich rein zu stopfen. Dinge, die ihnen nicht guttun. Also, komme wieder besser mit dir in den Kontakt. Der Dalai Lama sagte, man solle jeden Tag Zeit mit sich allein verbringen. Wie wahr. Der Yoga-Hype zum Beispiel erklärt sich auch dadurch.  Ich mache auch total gern Yoga. Beim Yoga geht es darum, mit sich selbst in den Kontakt zu kommen, mit und über den eigenen Körper. Der Körper und der Atem sind etwas handfester als eine klassische Meditation. Und in diesen Kontakt zu kommen ist für Menschen, die in einem Burnout sind, in diesem Leistungsdruck gefangen sind, sehr schwierig. Der Körper kann ein Zugang sein. Die Muskeln öffnen sich. Es gibt jede Menge wahrzunehmen. So fühlt sich die Dehnung an oder auch der Schmerz. Die Entscheidung, wie tief gehe ich in eine Übung, wo höre ich auf. Körperliche Wohltat erleben, Stress aus dem System nehmen. Das öffnet wieder diesen Kanal zwischen Körper und dem Verstand. Das kann auch über andere Sportarten erleben. Zum Beispiel beim Laufen. Aber achte auch beim Laufen darauf, welche Signale dein Körper sendet. Nimm‘ bewusst wahr, wie Atem und Muskeln sich regulieren. Das geht natürlich in eher langsamen Sportarten einfacher als zum Beispiel beim Boxen, wo es richtig einen auf die Mappe gibt. Da spürt man zwar auch Schmerzen, aber in einer eher destruktiven Art und Weise. Tai-Chi ist etwas, was in psychosomatischen Kliniken oft erfolgreich eingesetzt wird. Das hat ja auch viel mit Atmung zu tun und auch mit einer sehr bewussten Ausführung von Bewegungen. Auch eine gute Möglichkeit, die du ausprobieren kannst.

Zusätzlich, wenn du in Burnout bist, rate ich dir, dich auf die Suche nach einem Arzt zu machen. Und zwar nach einem Arzt der dich ganzheitlich begleitet. Du brauchst keinen Arzt, der sagt: „Hey, Sie haben Bluthochdruck. Hier ist das Medikament. Du brauchst einen Arzt, der sich mit dir auf diesen Weg macht und der genau hinguckt, guckt mit deinem Hormonsystem los ist. Was mit deinem Herz-Kreislaufsystem los ist. Was ist mit dem ganzen System los ist. Einen Arzt eben, der ganzheitlich ausgerichtet ist.

 

Du kannst nach diesem Podcast auch relativ pragmatisch und schnell anfangen mit der Frage: Wie möchte ich leben? Eine kurze Frage, die es wahrlich in sich hat: Wie möchtest du leben? Schreib alle Gedanken auf, die dir dazu in den Sinn kommen. Schreib einfach mal auf, unsortiert, unbewertet. Wie in einer Art Brainstorming. Einfach mal raus damit. Eine hilfreiche Ergänzungsfrage kann sein: Wann war dein Leben am besten? Was waren die besten Zeiten oder Phasen? Welche Faktoren waren damals wichtig dafür, dass es dir gut ging? Kannst du das herausarbeiten? Sei nicht ungeduldig. Diese Frage zu beantworten ist ein Prozess und der braucht Zeit. Die Fragen müssen wirken, die Antworten müssen reifen. Da kommen immer mal wieder Antworten. Vielleicht legst du ein Glas mit Zetteln an oder ein schönes Buch. Vielleicht hast du schon angefangen? Als du wenn du mit den anderen Folgen gearbeitet hast? Wenn du es aufschreibst, kannst du es jederzeit wieder rausholen. Kannst ergänzen, dich später erinnern. Stück für Stück holst du dir im Prozess dein Leben zurück. Du justierst die Richtung neu, aufgrund deiner Bedürfnisse. Sie dürfen wieder eine größere Bedeutung bekommen. Was dabei rauskommt ist hochindividuell. Es ist dein Leben. Fang an, dir Klarheit zu verschaffen. wie es überhaupt sein soll.

Empfehlen möchte ich dir an dieser Stelle auch noch eine Folge aus dem Podcast Happy, Holy, Confident von der Laura Seiler. Die hat in der Folge 156 mit dem Dr. Nelting vom Gezeiten Haus in Bonn ein ganz tolles Interview zum Thema Burnout geführt. Auf der Seite vom Gezeitenhaus findest du auch ein Burnout-Test. Wenn du diese 20 Fragen durchgegangen bist, siehst du auch schon klarer.

Schön, dass du hier bist. Tschüss, Deine Sabine