Blog #017 Deine Gefühle sind dein Kompass

Wenn du dir mehr Entspanntheit, Sicherheit, Gelassenheit, Zufriedenheit in deinem Leben wünscht, dann kann diese Folge mit Sicherheit etwas für dich tun. Gefühle sind dein Kompass. Die Natur hat uns Gefühle mitgegeben, damit wir im Leben eine Orientierungshilfe haben. Aber das scheint dann doch nicht so einfach zu sein. Obwohl es etwas Natürliches ist, haben wir es irgendwie verlernt mit Gefühlen „richtig“ umzugehen: Gefühle als das anzunehmen, was sie sind. Signale und Hinweisgeber. Die meisten unserer Gefühle sind überlebenswichtig. Doch wir haben uns stattdessen in der heutigen Zeit oftmals einem Credo verschrieben, das Gefühle – gerade im Erwachsenenalter – nicht sein dürfen. Wir wollen alles mit dem Verstand lösen. Wir vertrauen blind auf unseren Verstand und empfinden Gefühle als eine eher störende Größe. Dabei sind sie das überhaupt nicht. Der Plan nur gute Gefühle zuzulassen, die schlechten eher wegzudrücken, dann entfallen ganz viele wichtige Signale, die unserem Leben Sinn und Richtung geben. Ich spreche sowieso nicht gerne von „guten“ und „schlechten“ Gefühlen. Es gibt Gefühle, die wir als angenehm empfinden. Und es gibt Gefühle, die wir als unangenehm empfinden. Und das ist eine sinnvolle Unterscheidung. Angenehm empfinden wir die Gefühle wie Liebe, Sicherheit, Entspannung, Mut, Gelassenheit, Stolz, Zufriedenheit, Freude, Verbundenheit. Unangenehm erleben wir Stress, Angst, Ärger, Scham, Schuld und Traurigkeit. Depressivität kann als eine Steigerung der Traurigkeit gesehen werden. Die letztgenannten Gefühle sind auch bei mir in der Therapie immer wieder Thema. Weil auch meine Klienten möchten, dass sie endlich weggehen. Das ist ein wichtiger Punkt und das ist auch die erste Botschaft, die ich dir heute mitgeben möchte: Nein, diese Gefühle sollen nicht weggehen. Sie haben eine wichtige Funktion, wie alle Gefühle.  Sie wegzudrücken mit Alkohol, Drogen, Essen, Computerspiele, Social Media, Arbeit- ist keine gute Idee.

Wenn du als Kind wütend warst, dann hattest du einen Grund wütend zu sein. Wenn du als Kind geweint hast, traurig warst, hattest du einen guten Grund dafür. Und wenn du Angst hattest, dann gab es auch dafür einen Grund. Vielleicht hattest du Gründe, die damals die Erwachsenen nicht nachvollziehen konnten, aber es gab Gründe. Wenn du solche Gefühle dann weggedrückt hast, hatte das einen Preis: 1. Die Ursache wurde nicht beseitigt. 2. Du bist innerlich abgestumpft. Und somit kamst du dann an die angenehmen Gefühle auch nicht mehr so richtig ran. Ein hoher Preis.

Ein anderes Thema ist – deine Mitmenschen. Sich so richtig zu freuen oder auch richtig traurig zu sein, erzeugt häufig auch negative Reaktionen.

Gesellschaftlich ist das nicht so akzeptiert. Wir gehen dann sehr schnell drüber weg. Wir teilen es vielleicht auch gar nicht mit anderen. Ich war kürzlich in einem Kinofilm.  Es ging um die Kindheit von Hape Kerkeling. Die Leute saßen im Kino. Es wurde sehr traurig. Und doch sah ich unheimlich viele Menschen, die sich ziemlich anstrengten nicht im Kino zu weinen. Warum eigentlich nicht? In diesem Film gibt es unheimlich traurige Momente. Warum darf dieses Gefühl nicht sein? Weshalb bemühen sich schon die Kinder ihre Tränen nicht zu zeigen?

Auch wenn du die Kontrolle von Gefühlen vielleicht noch als erstrebenswertes siehst. Für mich ist es gegen die Natur. Wir würden auch niemals versuchen unsere Atmung zu kontrollieren, weil wir glauben, dass unser Verstand besser atmen kann als unser Körper. Oder wir kontrollieren auch nicht unseren Stoffwechsel, weil wir glauben, dass wir es mit dem Verstand besser steuern können als unser Körper das tut. Warum also bei den Gefühlen? Das ist auch ein körperlicher Steuerungsmechanismus, den uns die Natur in die Wiege gelegt hat. Den mit dem Verstand zu unterbinden oder zu verbessern zu wollen, das ist absurd.

Immer mehr Menschen geraten in psychischen Notlagen.  Meines Erachtens hat das auch damit etwas zu tun, dass wir einen mangelnden Zugang zu unseren Gefühlen haben. Ich kann dich nur ermutigen: Mach es anders! Kommen wieder mit deinen Gefühlen in Kontakt. Gefühle sind so wichtig: Sie sind dein Kompass!

Auch Schmerz ist zu großen Teilen ein Gefühl. Es tut an einer bestimmten Stelle weh. Wir fangen an zu weinen. Und was machen wir heutzutage mit Schmerz? Anstatt zu forschen, was gerade los ist. Wir drücken ihn einfach mal schnell mit einer Tablette weg. Obwohl zum Beispiel Kopfschmerz eine Botschaft mitbringt, obwohl er uns warnen will. Und auch wenn der Kopfschmerz nur sagen will: „Du hast zu wenig getrunken. Trink doch was.“ ist uns manchmal der Griff zur Kopfschmerztablette näher als zu einem Glas Wasser. Weil wir einfach nicht mehr hinhören und spüren. Ähnlich ist es bei Hyperaktivität bei Kindern. Wir könnten uns besser fragen, wieso immer mehr Kinder solche Symptome entwickeln, anstatt mit Medikamenten wie Ritalin darauf zu reagieren. Ich habe das Gefühl, ich komme ins Predigen. Und das will ich gar nicht.

Also bitte nimm deine Gefühle wahr, sie sind so wichtig. Sie sagen dir, ob du in deinem Leben eine Richtung einschlägst, die dich zu deinem Ziel führt. Ob du wertekonform lebst. Und wenn dein Verstand dir sagt, dass du die Gefühle nicht aushälst, dann hat er Unrecht. Ein Gefühl ist nur ein Gefühl. Ein Gefühl ist nicht gefährlich. Die Natur hat dir alles an die Hand gegeben, was du brauchst, um mit Gefühlen umzugehen. Die mit Gefühl verbundenen Körpersensationen hälst du aus.

Nun würde ich gerne etwas über die Funktion von bestimmten Gefühlen sagen.

Welche Funktion hat Entspannung? Entspannung ist ein regeneratives Gefühl. Entspannung ist notwendig, um Abstand zu gewinnen, Kräfte zu sammeln und den Kopf freizubekommen. Wenn wir entspannt sind, dann verlangsamt sich unser Pulsschlag, unser Atem geht regelmäßiger und ruhig. Die Muskeln entspannen sich, der Muskeltonus geht runter und wir haben eine verminderte Schmerzempfindlichkeit. Tolles Gefühl! Schauen wir auf den Stolz. Ein wichtiges Gefühl, um das Selbstwertgefühl zu steigern. Es ist eine Art innere Belohnung für unsere Leistungen, die wir erbracht haben. Der Körper reagiert bei Stolz mit erhöhtem Pulsschlag, schnellerem Atem, ein gesteigertes Energieempfinden und ein vermindertes Schmerzempfinden. Ähnliche Körpersymptome haben wir auch bei Freude. Wenn wir Freude erleben, heißt das, dass wir auf dem Weg sind unsere Ziele zu erreichen. Freude ist auch eine innere Belohnung, sie verstärkt uns für unseren Einsatz. Sie gibt uns Kraft und sie motiviert. Stolz kann als Steigerung von Freude angesehen werden. Ein weiteres positives Gefühl ist das Gefühl der Verbundenheit mit anderen. Das Gefühl der Verbundenheit vermittelt Sicherheit. Wenn ich weiß, dass ich gut eingebunden bin, kann ich darauf vertrauen, dass ich in Schwierigkeiten Unterstützung bekomme. Der Körper reagiert mit einem regelmäßigen relativ niedrigen ruhigen Puls. Dazu ein ruhiger Atem und auch eine geringe Muskelspannung. Auch Mut ist ein Gefühl. Mut ist ein notwendiges Gegengewicht zu Angst. Es hilft trotz eventueller Gefahren eine Handlung durchzuführen und damit hilft es dir wichtige Ziele zu erreichen. Mit Mut geht eine erhöhte Muskelentspannung einher. Mut mobilisiert Kräfte. Mut aktiviert.

Bei den als unangenehm empfundenen Gefühlen, ist das bekannteste sicher die Angst. Angst bereitet dich darauf vor, die Situation aufmerksam auf mögliche Gefahren zu untersuchen. Sie stellt die Energie bereit, um zu fliehen oder in der Situation zu kämpfen. Daher spürst du eine Anspannung der Muskulatur, manchmal in Form eines Zitterns. Ein schneller flacher Atem. Wenn wir Angst haben, beginnen wir zu schwitzen. Unser Herzschlag beschleunigt sich und unsere Muskelgruppen werden besser durchblutet. Zumindest in Händen und Füßen. Die inneren Organe werden sogar weniger gut durchblutet, weil das Blut in die Extremitäten fließt, die uns beim Kämpfen oder beim Fliehen helfen. Auch Traurigkeit ist ein von vielen als unangenehm empfundenes Gefühl. Doch hat es eine positive Funktion. Traurigkeit bereitet körperliche und geistige Prozesse vor, die dir helfen können, dich von deinem Ziel zu lösen. Traurigkeit ist also das Gefühl des Abschieds. Der Körper reagiert: Es rührt uns zu Tränen. Und das ist weltweit so. Das ist nicht ein kulturelles Thema, sondern traurige Menschen weinen überall auf der Erde. Scham. Wer sich in letzter Zeit mal für irgendwas geschämt hat, der wird noch wissen, wie sich das anfühlt. Überleg mal, wann hast du dich das letzte Mal geschämt? Scham entsteht dann, wenn das Einhalten der sozialen Regeln vom Individuum gebrochen wurde.  Der Mensch schützt sich mit Scham davor aus der Gemeinschaft ausgeschlossen zu werden, weil es den Prozess der Entschuldigung und der Reue und der Wiedergutmachung begleitet. Bei Scham werden wir in der Regel rot. Und -was vielleicht auch noch wichtig ist- Scham ist von außen gar nicht so stark erkennbar wie du es innen spürst.

Also. Stell dir vor. Ohne Traurigkeit kein Abschied. Abschiedsprozess finden nicht statt. Ein echtes Hindernis, weil so kein Platz für Neues geschaffen wird. Man bleibt in diesem Prozess hängen und durchdenkt wieder und wieder das Leid was damit verbunden ist. Wenn du jedoch die Traurigkeit zulässt, dann wird es dir möglich Dinge zu verabschieden. Du räumst innerlich auf und es wird Platz gemacht für Neues. Für ein neues Lebenskonzept, für einen neuen Menschen. Was auch immer.

Ich rate dir, dich täglich mehrfach zu fragen: Was fühle ich gerade? Vielleicht kannst du anfänglich gar nicht so klar benennen, was du genau fühlst. Aber das ist nicht schlimm. Es können auch gemischte Gefühlszustände vorherrschen. Ein Durcheinander von Gefühlen. Manche davon angenehm andere unangenehm. Teil für Teil schaust du sie an und du akzeptiert sie so wie sie sind. Du beschreibst sie dir und du machst dir klar, wo und wie im Körper du sie fühlst. Kommt der Gedanke: „Ich halte das nicht aus.“, nimm ihn wahr. Es ist nur ein Gedanke. Es ist eine Hypothese deines Verstandes. Mach ihn bitte nicht zu deiner Wahrheit. Du hast von der Natur alles bekommen, was du brauchst, um diese Gefühle auszuhalten. Gefühle sind nicht mächtig. Nimm deinen Atem als Anker. Beschreib deine Gefühle. Lass sie einfach sein. Deine Wahrnehmung zum Thema Gefühle differenziert sich.  Du bist in der Beobachter-Position.  Es ist ein bisschen so, als wäre die Scheibe deines Kompass lange Zeit beschlagen gewesen. Du beginnst sie jetzt in Kleinarbeit sauber zu polieren. Immer besser kannst du wieder in deinen Kompass hineinschauen. Was du sehen kannst, sagt dir etwas über die Richtung in der du unterwegs bist.  Das ist der große Vorteil, wenn wir wieder lernen mit unseren Gefühlen in Kontakt zu treten. Dass wir endlich wieder eine Orientierungshilfe haben und zwar mit Informationen, die uns der Kopf nicht geben kann. Dein Verstand ist nicht allmächtig. Im Gegenteil. Es ist fehleranfällig.
So, das war’s für heute. Falls du Fragen hast, lass es mich wissen. Falls Sie das hier gefallen hat, LIKE es gern. Schön, dass du dir die Zeit genommen hast, dich mit deinem Gefühlsleben auseinanderzusetzen und mehr darüber zu lernen. Deine Sabine

 

Shownotes:

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Dieser Podcast Reif für die Couch? gibt Dir Ideen und Hilfe zu den folgenden Krankheitsbildern und Symptomen: Depression, Angst, Angststörung, Angstzustände, Soziale Phobie, Erschöpfung, Burnout, Burn-Out, Panik, Panikstörung, Panikattacken, Grübeln, Sorgen, Stress, Zwänge, Zwangsstörung, Achtsamkeit.

Der Podcast Reif für die Couch? verknüpft Erkenntnisse aus der Psychotherapie, insbesondere der Verhaltenstherapie und der Psychologie. Mein Ziel ist es der beste Psychologie Podcast zur werden. Inspiriert wurde ich durch großartige Vorreiter wie Laura Malina Seiler mit Happy Holy Confident, Tobias Beck mit Bewohnerfrei und dem Podcast von gedankenTanken.

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Deine Sabine