Blog #023 Praktisch- Lerne Dein inneres Team kennen. Eine Anleitung

Heute möchte ich gerne mit dir über das innere Team reden. Und das mal ganz praktisch. Wenn ich mit den letzten Folgen deine Begeisterung für das Modell des inneren Teams wecken konnte, bekommst du mit dieser Folge genau das Richtige. Sie gibt dir eine Anleitung, wie du loslegen kannst, um dein inneres Team besser kennenzulernen. Wie du bereits weißt, arbeitst du mit dem Modell nicht mit Schrift, sondern mit Bildern. Die inneren Anteile bekommen Gesichter. Sie sind männlich oder weiblich, oder entsprechen einem Tier. Sie werden in einer Art und Weise dargestellt, wie es ihrer Persönlichkeit entspricht. Du kannst selber malen, wenn du gerne kreativ bist. Du kannst aber auch durchs Internet wandern und dir Bilder anschauen. Du kannst durch Zeitschriften blättern und Bilder ausschneiden. Was auch immer dir in den Sinn kommt. Es gibt unendlich viele Quellen, die dir helfen können, dein inneres Team schön und anschaulich zu erstellen. Das hilft dir wiederum, mit deinen inneren Anteilen in Kontakt zu treten. 

  

Als erstes brauchst du ein großes Blatt Papier. Das kann ein Flipchart Papier sein. Das kann eine Art Tonpapier-Bogen sein. Du kannst auch ein altes Stück von einer Tapete nehmen, dir davon etwas abschneiden und auf der Rückseite arbeiten. Und dann arbeitest du so, wie es dir am meisten liegt. Das heißt, du entscheidest selbst, ob du dich einen ganzen Nachmittag, oder ein ganzes Wochenende mit dem Thema beschäftigen willst. Oder ob du dieses Projekt langsam angehst, es irgendwo in deiner Wohnung auslegst und immer wieder ein Stück weiter fortführst. Wenn dir Teile begegnen, dann sammle Zeitschriften oder andere Bildquellen. Verwende schöne Postkarten, die du hast, oder zeichne deine Bilder. Ein Buch, das ich häufig bei der Arbeit nutze, hat den Titel „Reisen in die Innenwelt“ und ist von Tom Holmes. Ganz viele Bilder zeigen Persönlichkeitsanteile, es gibt einen ganzen Anhang nur mit Bildern. Sie sind in einer wunderbaren Art und Weise illustriert. Manche Menschen finden ganz viele Teile. Schnell ist der Bogen Papier voll mit unterschiedlichsten Anteilen. Während andere Menschen nur sehr wenige identifizieren können. Ich hatte ja schon gesagt, dass 10 bis 15 Anteile dir in der Regel helfen, deinen Alltag zu wuppen. Aber es gibt jede Menge versteckte Anteile. Und natürlich sollten deine inneren kindlichen Anteile nicht fehlen. Ich bin sicher, dass du einen inneren Kritiker im Team hast. Deine beschütze Anteile können auftauchen. So kannst du die Landkarte entstehen lassen. Du klebst die Teile an die Stelle, an der sie für dich stimmig sind.  

Zu Beginn empfehle ich dir, sie erst zu legen. So kannst du sie auch noch verschieben und in eine neue Formation bringen. Solange, bis es für dich passt. Wir hatten ja auch schon über die Kooperation mancher Teile gesprochen. Teile, die gemeinsam aktiv werden. Vielleicht möchtest du diese in einer bestimmten Reihenfolge anordnen. Arrangiere die Bilder bitte so, dass sie deine innere Welt möglichst gut ausdrücken. Platziere die Teile, die irgendwie zusammengehören, nahe beieinander. Vielleicht kannst du auch mit Linien oder Blitzen darstellen, wenn Teile in Konflikt miteinander stehen. Du kannst auch die Größe der Bilder variieren, um darzustellen, wie viel Raum bestimmte Teile in deinem System einnehmen. Du entscheidest selbst welche Gestaltung am besten für dich passt. Ich empfehle dir eine kurze Entspannungsübung, bevor du mit der Arbeit beginnst 

Die leite ich jetzt an, damit du sie, wenn du dann so weit bist, vielleicht einfach hier abrufen kannst. Dann kannst du sie ganz einfach alleine durchführen: 

  

Suche dir einen ruhigen Platz, an dem du dich ohne Ablenkung hinsetzen kannst. Das kann ein Stuhl sein oder ein Meditationskissen. Was auch immer für dich am bequemsten ist. Richte deine Wirbelsäule angenehm aufrecht auf. Halte deinen Kopf so im Gleichgewicht, dass du möglichst wenig Kraft aufwenden musst, um ihn zu halten. Diese Haltung hilft dir dabei, dich zu entspannen. Und dann atme, ohne dich ablenken zu lassen, einige Male tief aus.  

Jetzt strecke dich, nimm die Hände einmal über den Kopf, ganz nach oben. Streck dich ganz weit, in eine gerade Linie. Beuge dich ein paar Mal nach links und rechts, um die Flanken zu strecken. So kommst du in eine noch bequemere Position.  

Dann lenke deine Aufmerksamkeit auf deinen Atem. Nimm die Empfindung der Luft wahr. Wie sie durch die Nase ein und ausströmt. Lasse den Atem ganz natürlich fließen. Nehme ihn einfach nur wahr. Dein Brustkorb und der Bauch bewegen sich im Rhythmus des Atems ganz natürlich auf und ab. Konzentriere dich auf die kurze Pause zwischen Ein und Ausatmen. Deine Gedanken und Gefühle steigen auf. Beobachte sie einfach aus deinem Selbst heraus. Beobachte sie aus der Teamleiter-Position. Du brauchst sie nicht beoder verurteilen. Diese Teile, die aktiv werden und dir ihre Gedanken und Ideen mitteilen, dürfen sein. Höre ihnen zu. Aber reagiere nicht auf sie. Dann hören sie auch wieder auf zu reden. Konzentriere dich immer wieder auf deinen Atem. Und so kannst du dich immer und überall in die Position des Teamleiters bringen. Aus dieser Position heraus kannst du deine Teile beobachten. Ihre Ideen hören und aufnehmen. Du reagierst nicht im Autopilot auf etwas, was deine Teile von dir wollen. Vielmehr bist in einer Position des Aufnehmens, des Abwägens. Sich anschauen. Und dann, irgendwann, wirst du dich entscheiden. Und zwar so, wie es für das Gesamtsystem gut ist. Es ist wichtig, dass du lernst, dich mit deinem Selbst zu verbinden. Und nun leg entspannt los. 

 

Wenn du beginnst, Deine inneren Teile zu identifizieren, denk einmal an eine Situation in deinem Leben, die eine starke Reaktion bei dir hervorgerufen hat. Eine Reaktion, wie Traurigkeit, Wut, oder Angst. Lass diese Situation noch einmal vor deinem inneren Auge ablaufen. Mit den folgenden Fragen kannst du für dich klären, welche Teile bei dieser Reaktion beteiligt waren.  

Welche Gefühle begleiteten deine Reaktionen dem Moment? 

Wo hast du die Empfindungen im Körper gespürt? 

Welche Gedanken begleiteten deine Reaktion 

Was sagte dieser innere Anteil zu dir? 

Und wenn du ein Bild von diesem Teil, der da mit dir gesprochen hat, in diesem Moment vor deinem inneren Auge entstehen lässt: wie sähe dieser Anteil aus?  

Und dann entsteht da ein Bild von dem Teil, der mit der Außenwelt agiert hat.  

Die Frage ist nun, was der Teil in dem Moment gesagt hat. Was hat er nach außen, was nach innen, zu dir, gesagt? Wenn du ein Bild von diesem Teil entstehen lässt, wie sieht es aus?  

Ich mache mal ein Beispiel, damit es anschaulicher wird. Wir nehmen eine Situation, in der große Wut im Spiel war. Einer meiner Patienten lebt mit seiner Frau gerade in Trennung. In der Interaktion zwischen den beiden wirft die Frau ihm wieder und wieder vor, was er die letzten 20 Jahre alles falsch gemacht hat. Als es letzte Woche wieder zu einem solchen Gespräch kam, ist bei ihm ein wütender Anteil angesprungen. Es kam zu einer ganz wütenden Reaktion. Die Empfindung im Körper waren vor allen Dingen im Kopf. Er hatte das Gefühl, dass sein Kopf explodiert. Er sagt auch, er wäre rot angelaufen vor Wut. Ganz viel Adrenalin ließ ihm seine Fäuste ballen. Er konnte klar benennen, welche Gedanken er in dieser Situation hatte. „Nein! Nicht schon wieder. Sie zeigt schon wieder mit dem Finger auf mich. Nie denkt sie auch nur im Ansatz darüber nach, was sie dazu beigetragen hat. Immer dieses Fingerzeigen. Ich bin das so leid!“
Der wütende Teil des inneren Teams hat in dieser Situation gesprochen. Hat ziemlich scharf zur seiner Frau gesagt: „Jetzt hört endlich auf damit!“  

Als ich ihn gefragt habe, wie der Anteil aussieht, beschrieb er ihn mir folgendermaßen:  

„Ein Mann, ein großer Mann, viel größer als ich. So eine Art Hulk Hogan. Er hatte einen knallroten Kopf und ein vor Wut entstelltes Gesicht.“ Und dieser Hulk hat in dieser Situation mit der Frau gesprochen. Für diesen Anteil haben wir ein Bild gesucht und es auf seine Teile Landkarte geklebt. Das war ein sehr schönes Erlebnis. Denn Wut war etwas, das in den letzten 20 Jahren in seinem Leben nicht viel Platz hatte. Die gewohnte Reaktion, die er bisher in solchen Situationen gezeigt hatte, war Angst. Er fror ein und ließ die Vorwürfe über sich ergehen. Langsam kam nun dieser wütende nach vorne. Das werteten wir beide als Fortschritt.  

 

Es gibt noch mehr Möglichkeiten, wie Du Dir Deiner wichtigsten Team-Mitglieder bewusst werden kannst. Das funktioniert, indem du dich im Alltag beobachtest. Du nimmst eine ganz normale Alltagssituationen, zum Beispiel in deinem Job. Jemand spricht dich an und fordert ich zum Beispiel auf, eine ExtraAufgabe zu übernehmen. Du kannst dich selber beobachten. Dich fragen, welche inneren Anteile jetzt gerade aktiviert werden. Was sind das für Stimmen, die jetzt in meinem Kopf laut werden? Welche Gefühle bringen diese Teile mit und welche Handlungen begleiten sie? Welche Funktion haben diese Teile. In welcher Weise versuchen sie jetzt gerade mir zu helfen?“ Die Beobachtung endet nicht bei dir. Sieh dir auch den anderen an. Die Person, mit der du gerade interagiert und frage dich, wie dieser Mensch darauf reagiert. Wie reagiert er, wenn dieser Anteil bei mir nach vorne kommt. Es ist spannend, diesen Perspektivwechsel vorzunehmen. Und zum Abschluss beschreibe, wie du dich danach fühlst. Gibt es andere Teile in dir, die später auf die Teile reagiert haben, die hier zuerst in Erscheinung getreten sind 

Ich versuche das wieder mit einem Beispiel zu hinterlegen. Das erscheint mir sinnvoll. Wir bleiben bei dem Beispiel, dass jemand auf deiner Arbeit zu dir kommt und dich bittet, eine ExtraAufgabe zu übernehmen. Du bist aber schon picke packe voll und hast eigentlich keine Zeit dafür. Welche Gefühle treten jetzt auf? Ich kenne insbesondere Frauen, die sich in einem solchen Moment relativ klein und hilflos fühlen. Das geht ganz schnell. Sie fühlen sich hilflos. Und obwohl sie eigentlich wissen, dass sie keine Zeit dafür haben, die Aufgabe zu übernehmen, nehmen sie das Arbeitspaket an. Vielleicht kennst du das? Welche Funktion haben die Teile, die hier aktiv sind? Sie sollen Ablehnung und Konflikt verhindern! Diese Frau, die in dem Moment nicht nein sagen kann, hat Angst. Sie möchte nicht, dass jemand anders sie für doof hält, weil sie das nicht macht, und sie kritisiert. Davor hat sie Angst und deswegen kommt sie in dieses Hilflosigkeit. Dieser Teil darf nicht alleine entscheiden, aber er macht es in diesem Fall. Und es ist wichtig, ihn erst einmal kennenzulernen und diesen Mechanismus zu verstehen. Vielleicht ist es ein gebeutelter Angsthase, der in diesem Moment sagt, dass sie das jetzt auch noch annehmen kann.  

Und jetzt die Frage: Wie reagiert der Mensch, der ihr die Zusatzaufgaben gegeben hat? Er ist hocherfreut. Natürlich, er ist die Aufgabe losgeworden und wollte ja ein JA hören. Er wollte kein Nein hören. Das heißt, er wird sie positiv verstärken. Wird sagen, super finde ich toll, dass du das machst!  

Wie hast du dich in solchen Momenten gefühlt? Momente, in denen du NEIN meinst, aber JA sagst? Du bist erschöpft, kraftlos, resignierst. Und dann kommt da womöglich ein anderer Teil. Zum Beispiel der innere Kritiker. Er haut noch einmal so richtig obendrauf und sagt dir, wie blöd du doch bist. Du weißt doch, dass du gar keine Zeit hast, das auch noch zu machen. Und das ist es, wenn du dich mit dieser Art deinen inneren Anteil näherst. 

 

Diese Alltagsbeobachtungen von Situationen, die du so vielleicht auch nicht mehr haben möchtest. Damit hast du die Möglichkeit zu erkennen, wer aktiv wird. Du bist dann auch in der Lage, positiv anzuerkennen, was dieser Teil dort für dich tun will. Aber ich habe das schon gesagt. Die Teile sind so wahnsinnig einseitig, kennen immer nur eine Lösung. Und hier haben wir den gebeutelten Angsthasen, der letztendlich ein Ja-Sager ist. Er kennt keine andere Lösung. Ich empfehle dir auch, einen positiven Blick auf deine inneren Anteile zu werfen. Weitere Fragen, mit denen du dich nähern kannst, sind:   

Welche meiner Persönlichkeitsanteile sind eigentlich meine größten Helfer und Unterstützer?  

Wer hilft mir Dinge zu schaffen oder zu erledigen 

Wer aus meinem Team hilft mir, Bedürfnisse zu spüren und dafür einzustehen? 

Und wer von meinen Teilen hilft mir dabei, zu entspannen? Zu genießen und Spaß zu haben?  

Denn auch diese Teile gehören auf deine Landkarte. Mit diesen drei Arten kannst du anfangen deine Landkarte zu füllen. In der Art und Weise, wie es für dich passt. Es ist entweder ein langsamer, stetiger Prozess, oder du setzt dich mal einen Nachmittag oder ein Wochenende hin und machst das ganz bewusst. Auf diesem Weg hast du die Teile Landkarte schnell fertig. Dann kannst du in deiner Persönlichkeitsentwicklung anfangen, damit zu arbeiten und Veränderung zu initiieren. Und damit sage ich dann für heute auch tschüss, deine Sabine. Über eine positive Bewertung bei itunes freue ich mich. 

 

Shownotes:

Themenwünsche kannst du mir gerne an sabine@bimmler.comsenden.

Dieser Podcast Reif für die Couch? gibt Dir Ideen und Hilfe zu den folgenden Krankheitsbildern und Symptomen: Depression, Angst, Angststörung, Angstzustände, Soziale Phobie, Erschöpfung, Burnout, Burn-Out, Panik, Panikstörung, Panikattacken, Grübeln, Sorgen, Stress, Zwänge, Zwangsstörung, Achtsamkeit.

Der Podcast Reif für die Couch? verknüpft Erkenntnisse aus der Psychotherapie, insbesondere der Verhaltenstherapie und der Psychologie. Mein Ziel ist es der beste Psychologie Podcast zur werden. Inspiriert wurde ich durch großartige Vorreiter wie Laura Malina Seiler mit Happy Holy Confident, Tobias Beck mit Bewohnerfrei und dem Podcast von gedankenTanken.

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Leg los. ich freue mich auf dich!

Deine Sabine