Blog #042 Entscheidungen einfach treffen – kein Hadern und Zaudern

Heute möchte ich mit dir über das Thema „Hadern und Zaudern“ reden.  

Hadern und Zaudern meint, sich nicht entscheiden zu können. Sich mit einer Entscheidung lange zu quälen. Oder wenn man eine Entscheidung erst einmal getroffen hat, trotzdem immer wieder zu hinterfragen, ob die Entscheidung so richtig war. Das führt zu einer Problemschleife deines Verstandes, der sich immer und immer wieder die gleichen Fragen stellt und zu keiner zufriedenstellenden Antwort kommt. Du wünscht dir Sicherheit, die es nicht gibt. Richtig und falsch sind einseitige Kategorien, wie schwarz und weiß. Aber dazwischen gibt es jede Menge grau. 

Es gibt verschiedene Möglichkeiten sich dem Thema zu nähern. Wenn du schon ein paar meiner Folgen gehört hast, weißt du, dass ich dem festen Glaubenssatz vertraue „Ich glaube mir nicht alles, was ich denke.“. Dieser Satz ist für mich handlungsleitend und maßgeblich, wenn ich gefragt werde, wie man mit schwierigen Gefühlen und Gedanken umgehen kann. Zaudern sind schwierige Gedankenschleifen, in denen der Verstand festhängt und damit verbunden sind unangenehme Gefühle wie Unsicherheit, Besorgnis und das Gefühl, etwas falsch gemacht zu haben. Das Zaudern geht auf deinen Verstand zurück, der (wieder mal) in einer Problemschleife festhängt. Dein Verstand gaukelt dir vor: wenn du nur lange genug drüber nachdenkst, dann wirst du irgendwann eine zufriedenstellende Antwort finden. Das klappt aber nicht. Besser akzeptierst du, dass es keine zufriedenstellende Antwort und Sicherheit gibt.  

Der Verstand hat allerdings noch jede Menge andere ungünstige Strategien parat. Er sagt dir zum Beispiel: „Verstecke dich und entscheide gar nicht. Versuch einfach dich vor der Entscheidung zu drücken.“ Oder er sagt:„Lenke dich ab, mache irgendwas ganz anderes, denk nicht drüber nach.“ Er handelt dann nach dem Motto „Guck einfach nicht hin.“ Aber die Gesetze der Psychologie lauten anders, das weißt du ja schon. Zum Beispiel: Wenn du etwas nicht haben willst, dann hast du’s erst recht. Also- erst einmal Akzeptanz darüber, dass dein Verstand sich gerade aufgehangen hat und sich im Kreis dreht. Er schlägt jede Menge Lösungen für dein Problem vor, die nur Scheinlösungen sind.  

Ich mache das mal an einem Beispiel fest: Ich weiß nicht, ob du schon mal eine Panikattacke gehabt hast. Dabei es ist so, dass Menschen aus heiterem Himmel plötzlich einen Angstanfall bekommen. Dieser steigert sich so sehr, dass immer mehr körperliche Symptome auftreten. Diese Symptome werden so überdimensional wahrgenommen, dass diese Menschen irgendwann den Gedanken haben, dass sie gleich einen Herzinfarkt bekommen oder sterben müssen. Dieser Gedanke ist ein wenig hilfreicher Vorschlag deines Verstandes, er ist nicht die Wahrheit. Bisher ist niemand bei einer Panikattacke an einem Herzinfarkt gestorben. Aber der Verstand spielt immer unbeirrt wieder den gleichen Mechanismus ab. Du weißt eigentlich, dass du nicht stirbst, aber dein Verstand ist so mächtig und drängt und schubst dich immer wieder in diese Ecke. Auflösen heißt sich von den Vorschlag zu distanzieren. Und beim nächsten Mal zu entscheiden Mein Verstand hat gerade leider wie ein Computerprogramm einen Fehlfunktion. Ich glaube nicht, was er sagt, denn er ist wirr.  

So ist das auch mit dem Hadern und Zaudern. Wenn du eine Entscheidung getroffen hast oder kurz vor einer wichtigen Entscheidung stehst, dann möchte dein Verstand dir dringend Ratschläge erteilen. Er sagt dir, dass du deine Entscheidung nochmal hinterfragen sollst und fragt dich, ob du dich wirklich richtig entschieden hast. Dieser fortwährende Kampf von „Soll ich oder soll ich nicht? War das richtig oder war das falsch?“ läuft immer weiter. In diesem Fall führt es zu einer großen inneren Anspannung, Unruhe und zu einem hohen Stresslevel. Dein Verstand berät dich falsch an dieser Stelle. Er geht sogar so weit, dass er immer wieder an diesen Lösungsvorschlägen klebt, sodass sich die Unruhe und der Stress verstärkt zu einer Art Selbstläufer entwickeln. Im Krankheitsverlauf würde man so etwas chronisch nennen. Das heißt, das Ganze breitet sich aus, setzt sich auf alle möglichen Entscheidungen und du hast viel mehr mit diesem Hadern und Zaudern zu tun.  

Du solltest dich frei davon machen. Sätze wie „Hätte ich doch nur, „Könnte ich doch nur, „Aber wenn, dann…“. Streich sie aus deinem Sprachgebrauch. Du wirst dich irgendwann einer Entscheidung stellen müssen. Du wirst sie treffen müssen und du wirst dir dann die Konsequenzen dieser Entscheidung anschauen müssen. So kommen wir von A nach B, so lernen wir. Wir bauen immer mehr Wissen und Erfahrung auf und wir machen auch Fehler dabei. Wir können es nicht ausschließen, Fehler zu machen. Ein schönes Reframing ist an der Stelle, dass Fehler keine Fehler sind, sondern Fehler sind Lernmöglichkeiten. Immer wenn du dich für etwas entschieden hast und dein Plan nicht so aufgeht, wie du dir das gewünscht hast, hast du etwas gelernt. Du kannst aufhören mit dem abwägen, verwerfen, aufschieben oder aufs Schicksal warten. Sieh ein, dass dein Verstand gerade kein guter Berater ist und akzeptiere, dass du dich entschieden hast, wie du dich entschieden hast und dass du die Konsequenzen tragen wirst.  

Eine weitere Möglichkeit, um das Zaudern abzukürzen, ist, sich die Frage zu stellen „Wie würde ich entscheiden, wenn ich nur noch eine kurze Zeit zu leben haben?“. Im Augenblick liegen diese Übungen sehr im Trend, dass man sich eine eigene Grabrede schreibt oder eine Laudatio zum 80. Geburtstag. Ich arbeitete auch sehr viel damit, weil es bei großen Lebensthemen Sinn macht, die Dinge vom Ende her zu denken. Es ist nicht nur dein Verstand, der es vom Ende her denkt, sondern dazu auch immer noch das Gefühl. Verstand und Körper, als Gefühlskörper, sollen in einer Resonanz sein.  

Ich fasse noch einmal zusammen, wo wir jetzt stehen. Hör auf, ständig zu planen und zu hinterfragen, sei offen für den Moment und sei offen für die Konsequenzen. Lasse zu, dass du Fehler machst, denn Fehler sind Lernmöglichkeiten. Es gibt nicht richtig und falsch. Wenn wir Entscheidungen treffen müssen, ist die Welt nie schwarz und weiß, weil Entscheidungen immer zu einem bestimmten Zeitpunkt gefällt werden. Wir können nur nach bestem Wissen und Gewissen entscheiden. Ganz viel, was danach passiert, wissen wir nicht. Aber genau das meint Leben: neue Wege entdecken, neue Erfahrungen machen. Wenn wir vorher alles wüssten, wie langweilig wäre das denn? Wir müssen akzeptieren, dass wir ein Risiko eingehen und dass mit diesem Risiko Konsequenzen verbunden sind. Wir wissen auch, dass wir mit diesen Konsequenzen gut umgehen können. Wenn du einen Jobwechsel machst und du feststellst, dass der nächste Job nicht das ist, was du dir darunter vorgestellt hast, dann wechselst du deinen Job halt nochmal. Die Grundhaltung ist: alles ist für etwas gut. Also jede Entscheidung, die wir machen, bringt uns eine Erkenntnis und einen Wissensgewinn, sodass die Entscheidung, die danach kommt, besser wird. Das nennt man Entwicklung, Lernentwicklung, persönliche Entwicklung.  

Eine andere Möglichkeit sich dem Zaudern zu nähern, wäre die Arbeit mit dem inneren Team und den inneren Anteilen. Die zaudernden Anteile, die ängstlichen Anteile sind häufig kindliche Anteile. Kinder, die wissen wollen, dass sie es richtig gemacht haben, dass alles gut ist. Dann melden sich verschiedene Stimmen in deinem inneren Team zu Wort, die diese Entscheidung in Frage stellen. Jedes dieser Teammitglieder hat eine andere Meinung zu der Entscheidung, die du getroffen hast. Es wird natürlich schwierig, wenn du von einem Teammitglied zum anderen springst, immer mit diesen Teammitgliedern verschmilzt und deren Haltung einnimmst. Dann erlebst du ganz große Unsicherheit, weil der eine will, der andere will nicht, der nächste weiß noch nicht genau und wieder ein anderer ist ein erbitterter Gegner. Du wirst hin und hergerissen und weißt nicht mehr, wo vorne und hinten ist. Deswegen gibt es im inneren Team die Instanz des Teamleiters. In der systemischen Arbeit nennt man die Instanz „das beobachtende Selbst. Das ist die innere Mitte, die sich all die Stimmen anhört und auf Basis all der Stimmen eine Entscheidung trifft. Damit nimmst du die ganze Unruhe raus. Du darfst dir jeden deiner Vertreter anhören, du darfst auch deine inneren Kinder wahrnehmen und trösten. All das darfst du machen, aber deine Kraft kommt aus deinem Selbst, aus dem Teamleiter. Dort triffst du deine Entscheidung und da sitzt deine Stärke. Wenn du also viel mit Hadern und Zaudern zu tun hast, dann stärke dein Selbst in einem (selbst-) therapeutischen Prozess, um aus der Mitte heraus entscheiden zu können und hinter dieser Entscheidung zu stehen. Auch wenn die anderen ringsherum wild werden und auf dich einreden, behältst du diese innere Stärke. Der Teamleiter weiß, dass er die Entscheidung nach besten Wissen und Gewissen getroffen hat. Er weiß aber auch, dass er mit Hilfe seiner Teammitglieder die Konsequenzen aus dieser Entscheidung akzeptieren wird. Und eine Lösung finden wird. Er ist freundlich mit sich selbst. Er ist zuversichtlich und der Zukunft gegenüber optimistisch und gelassen eingestellt. Das gilt nicht für alle Teammitglieder. Es gibt auch andere Stimmen und Haltungen, aber der Teamleiter ist in dieser Haltung. Du kannst das erreichen, indem du viel im Kontakt mit deiner inneren Mitte bist, sie immer wieder stärkst und dafür sorgst, dass sie in dieser gesunden positiven Haltung bleibt.  

In der Akzeptanz– und CommitmentTherapie sprechen wir mit Blick auf die Entlastung von psychologischer Flexibilität. Das ist auch ein Konzept, was ich noch darstellen möchte. Das Ziel in dieser Entwicklungsarbeit ist es, dass Menschen sich spontan und flexibel auf verschiedene Herausforderungen und Lebenssituationen einstellen können. Dazu gehören mehrere Schritte. Dazu gehört auch die Etablierung dieses beobachtenden Selbst, dieser inneren Mitte, die ich angesprochen habe. Auch die Akzeptanz spielt dabei eine Rolle. Nimm deine Zweifel an, die mit der Entscheidung verbunden sind. Schau dir deine Ängste an, höre dir die Stimmen deines inneren Teams an und lass sie einfach sein. Sie dürfen da sein und auch wenn dein inneres Team in Aufruhr ist, kannst du aus dieser Mitte heraus eine solide Entscheidung treffen. Wende dich ganz liebevoll diesen Stimmen und Gedanken zu und lass sie erkenne, dass dein Gehirn gerade kein guter Berater ist, sondern dass dein Verstand gerade festhängt und Problemschleifen läuft. Löse deinen Blick von diesen Problemschleifen und schau mit einem freundlich gelassenen Blick auf dich selbst und all das, was du schon erreicht hast.  

Die Achtsamkeit ist ein weiterer Baustein in dieser Therapie. Es geht darum, im Moment zu bleiben. Im Hier und Jetzt triffst du deine Entscheidung, von der du nicht weißt, was sie dir in Zukunft bringen wird. Es geht darum, die Gegenwärtigkeit zu trainieren. Indem du dich mit deinem Atem und mit deinem Sinn im Hier und Jetzt verankerst, nimmst du dem Zaudern und dem Hadern zum Beispiel sofort die Energie. Natürlich ist es auch hier wieder ganz wichtig, deine Werte zu kennen. Das ist ein weiterer Baustein der (Selbst-) Therapie, denn sowohl wichtige Lebensentscheidungen als auch alltägliche Entscheidungen richtest du an deinen Werten aus. Wenn du diese Aspekte vereinst, dieses Selbst in der Mitte, die Akzeptanz, die Gegenwärtigkeit und die Werte, dann kannst du im Sinne des Commitment deine Entscheidungen mit Ruhe und Gelassenheit treffen. Du kannst der Zukunft dabei positiv und gelassen entgegensehen. 

Du hast jetzt verschiedene Möglichkeiten kennengelernt, um dich diesem Thema nähern zu können. Schau einfach mal, welche für dich ansprechend war. Du kannst mit deinem inneren Team arbeiten oder du kannst über die Akzeptanz- und Commitment-Therapie deine psychologische Flexibilität erweitern, indem du dich mit den Aspekten Achtsamkeit, Akzeptanz und deinen Werten beschäftigst. All das bietet dieser Podcast dir. Ich habe zu all diesen Themen schon Folgen gemacht. Folgen, die eher am Anfang standen, mit denen du loslegen und arbeiten kannst. Wenn du das mit mir in einem therapeutischen Prozess oder in einem Coaching-Prozess tun möchtest, freue ich mich natürlich auch sehr. Hat dir diese Folge gefallen, dann schreib mir doch eine gute Bewertung bei iTunes, Spotify oder wo auch immer du diesen Podcast hörst. Nur dann gelingt es mir, diesen Podcast in die Welt zu bringen und mehr Menschen damit zu beglücken. Und für heute sage ich: Danke für deine Zeit und bis zum nächsten Mal.  

Shownotes:

Dir gefällt der Podcast? Dann besuch‘ doch auch meinen Blog unterhttp://www.sabinebimmler.de/mein-blog/ 

Themenwünsche kannst du mir gerne ansabine@bimmler.com senden. 

Dieser PodcastReif für die Couch? gibt Dir Ideen und Hilfe zu den folgenden Krankheitsbildern und Symptomen: Depression, Angst, Angststörung, Angstzustände, Soziale Phobie, Erschöpfung, Burnout, Burn-Out, Panik, Panikstörung, Panikattacken, Grübeln, Sorgen, Stress, Zwänge, Zwangsstörung, Achtsamkeit. 

Der PodcastReif für die Couch? verknüpft Erkenntnisse aus der Psychotherapie, insbesondere der Verhaltenstherapie und der Psychologie. Inspiriert wurde ich durch großartige Vorreiter wie Laura Malina Seiler mit Happy Holy Confident, Tobias Beck mit Bewohnerfrei und dem Podcast von gedankenTanken. 

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