Blog #001 Wo stehst Du gerade?

Du hast den Weg hierher gefunden. Wie schön. Trotzdem heißt das, dass dein Leben irgendwie in einen Ausnahmezustand geraten ist. Dass es gerade nicht so läuft, wie du dir das vorstellst. Dass sich die Dinge nicht so entwickelt haben, wie du es dir gewünscht hast. Das wollen wir gemeinsam ändern und -dass du hier bist, zeigt, dass in dir schon der feste Entschluss reift: Es muss sich etwas ändern. Und das ist gut und wichtig. Denn du solltest es dir wert sein, dass du dein Leben wieder in die Spur bringst und es lebenswert macht. Denn du hast ja nur dieses eine.

Diese Folge heute gehört zu den Basics. Wir beantworten die Frage aus dem Titel: Wo stehst du heute. Und das ist zu Beginn einer Therapie, auch deiner Selbsttherapie eine ganz wichtige Frage. Es geht dabei um Fokussierung, eine Konzentration auf das was gerade ist und das was du erreichen möchtest. Ich empfehle dir deine Erkenntnisse aus dem Prozess zu verschriftlicht. Es ist wunderbar, wenn man im Veränderungsprozess immer mal wieder auf den Start zurückblicken kann. Und weil unser Gehirn so fehleranfällig ist ,kann es dir nach ein paar Wochen schon nicht mehr sagen, wie du zu Beginn deiner Reise gefühlt hast, gedacht hast.

Ich starte mit der ganz offenen Frage:Was ist das Problem.

Sofort merkst du, wo deine Aufmerksamkeit hingeht. Das gibt uns schon einen ganz wichtigen Hinweis darauf, wo gerade die Energie gerade ist. Vielleicht füllst du heute eine halbe DIN-A4-Seite oder eine ganze DIN-A4-Seite – ein Typ-Frage. Beantworte ganz offen: Was ist das Problem?

Ich rate dir deinen Blick jetzt ein wenig zu differenzieren.Welche Gefühle herrschen gerade in meinem Leben vor? Was fühle ich, wenn ich über mein Problem nachdenke? Was denke ich dazu? Welche Gedanken kehren immer wieder, sind vorherrschend? Wie verhalte ich mich, weil ich das Problem habe? Alles ganz wichtige Aspekte. Falls du dir Menschen suchst, die dich bei deinem Veränderungsprozess begleiten, ist es auch für die ganz wichtig. Ein gemeinsames Problemverständnis ist die Basis für Unterstützung. Die Basis für hilfreiche Hinweise und Feedback. Zur Symptom-Beschreibung nehmen wir in der Therapie ganz häufig Fragebögen zu Hilfe. Es gibt sogenannte Symptom-Checklisten. Es gibt spezielle Fragebögen zum Thema Ängste, Depressionen und Zwänge – teils leider nicht frei zugänglich. Ich finde, die haben durchaus ihre Berechtigung, aber eigentlich hast du alles in dir, was du wissen musst. Du kennst das Problem am besten, du erlebst es jede Minute jede Stunde.Also bist du der beste Quell der Information.

Für mich als Therapeutin ist es immer ganz wichtig zu verstehen: Wer bist du?Und auch für dich selbst solltest du das nochmal beantworten. Die Fragen kommen jetzt:  Was bin ich für ein Mensch? Wie lebe ich? Bin ich in einer Partnerschaft? Wie geht es mir damit? Wie ist meine Beziehung zur Familie? Lebe ich in einer Familie, habe ich Kinder? Was gibt es über meine gesundheitliche Situation zu sagen? Gibt es chronische Erkrankungen? Oder irgendwelche Symptome körperlicher Art? Was ist zu meinem Beruf zu sagen? Was für eine Ausbildung habe ich? Was, wie arbeite ich jetzt im Augenblick? Wie viel arbeite ich? Finde ich das zufriedenstellend? Was ist sonst noch wichtig in meinem Leben?

Hast du schon mal ähnliche Situationen erleb,t wie diejenige in der du jetzt gerade bist? Ein ganzheitliches Verständnis der Person (und wenn du es für dich machst, deiner eigenen Person) ist ganz, ganz wichtig, weil du derjenige bist, der das Ganze „wuppen“ soll. Du bist derjenige, der das Problem angreift und die Veränderung herbeiführt.

Und je mehr du über dich weißt und je ganzheitlicher Du Dich siehst, desto einfacher wird das für dich. Wenn ich als Therapeutin ein erstes Bild habe, gehe ich zum nächsten Thema. Was hast du schon versucht, um das Thema zu lösen? Es ist eine Ressourcen-Frage. Was hast du schon versucht, in den letzten Wochen… Monaten… je nachdem wie lange dein Thema besteht, um eine Verbesserung herbeizuführen? Ich bin der festen Überzeugung, dass du alles in dir hast, was du brauchst, um das Problem zu lösen. Da bin ich ganz sicher, das zeigt mir meine Berufserfahrung. Egal wie verzweifelt die Menschen sind, die zu mir kommen… Am Ende stellt sich immer wieder heraus, dass sie alles schon in sich trugen, was sie brauchten, um das „Ding“ zu lösen. Und daher weiß ich auch, dass deine Lösung schon in dir schlummert. Sie ist nur im Augenblick noch nicht an der Oberfläche. Und dieser Prozess soll dir helfen, die Sachen an die Oberfläche zu holen. Wir waren also bei der Frage: Was hast du schon versucht, um das Thema zu lösen? Gibt es Dinge, die gut tun, mit denen du dich ablenken kannst? Gibt es Menschen, die du schon um Rat gefragt hast? Warst du schon beim Arzt? Hier kommt tatsächlich auch die Frage, lenkst du dich vielleicht mit irgendwelchen Suchtmitteln ab, Zigaretten, Alkohol, sonstige Drogen? Und wir würden uns diese Selbsttherapie Versuche angucken und uns fragen: Was hat denn geklappt, was war denn hilfreich? Was hat nicht geklappt?

Dieser Prozess, den ich hier gerade beschreibe, der dauert in der Therapie insgesamt min. vier Therapiestunden. Es ist also nicht so,  dass du alle Antworten auf all diese Fragen direkt parat haben musst. Fang an das alles runter schreiben. Beginne Licht ins Dunkel bringen oder den Nebel auflösen. Und das braucht Zeit, das braucht Gedanken und Pausen.

Wie du siehst, fokussieren wir nicht nur auf das Problem. Sondern wir gucken viel weiter: auf dich als Person. Das leitet mich jetzt zum nächsten Punkt über. Wir gucken auf deine Stärken und da gibt es ja bei den Ressourcen noch jede Menge mehr zu erfragen. Zum Beispiel: Welche Eigenschaften, Stärken, Hobbys, Erfahrungen hast du, die dir nun helfen können oder die dir gut tun? Welche Menschen gibt es in deinem Leben, die dich unterstützen? Und dann gibt es wunderschöne Selbstreflexions-Fragen. Ich packe hilfreiche Dokumente in die Shownotes der entsprechenden Podcast-Folge.

Was sind deine Stärken? Wofür bist du dankbar? Worauf bist du stolz? Womit verbringst du am liebsten Deine Zeit? Wie kümmerst du dich um dich selbst, wenn es dir nicht gut geht? Alles Fragen um Ressourcen freizulegen. Im Augenblick liegt Dein Fokus wahrscheinlich eher auf dem Problem. Ein Wechsel der Blickrichtung auf die Ressourcen bringt oft schon Erleichterung. Was sind eigentlich meine Werte? Wie möchte ich leben? Was ist mir wichtig? Welche Krisen hast du eigentlich in deinem Leben schon gemeistert? Was gab es für Krisen, auch anderer Natur als die derzeitige. Was ist dir Schlimmes passiert? Wie bist du da rausgekommen? Du bist da rausgekommen, sonst wärst du heute nicht hier und würdest hier nicht zuhören.

Was ich auch sehr mag, ist die Sinnfrage: Wenn alles, was du gerade erlebst, einen Sinn macht, was könnte dieser Sinn sein? Manche Menschen können in der Krise da noch nicht hingucken und das kann ich gut verstehen. Der Punkt ist aber, dass wir uns in jeder Krise weiterentwickeln. Wir entwickeln uns nicht im Wohlfühl-Modus. Da ist alles easy, da sind wir entspannt, es läuft super.

Entwickeln – im Sinne der persönlichen Entwicklung-  tun wir uns immer dann, wenn es unbequem ist, wenn es weh tut. Deswegen ist diese Sinnfrage sehr wichtig.

Also damit hätten wir die Standortbestimmung abgeschlossen. Wir hatten all die wichtigen Fragen. Die Grundlage ist gelegt für deinen Veränderungsprozess. Dokumente in den Shpwnotes der Podcast-Folge helfen dir, das Ganze detailliert noch einmal durchzugehen. Wenn du eher der spontane Typ bist und jetzt nicht damit weiterarbeiten möchtest, rate ich dir ein paar Dinge stichpunktartig aufzuschreiben. Weil die Standortbestimmung von heutes die Grundlage der Veränderung ist, die du in den nächsten Tagen Wochen und Monaten machen wirst. Es ist egal, ob du dich allein auf den Weg machst oder gemeinsam mit jemanden – sei es mit einem Therapeuten, sei es mit einer Freundin oder wer auch immer da hilfreich ist.

Aber macht dich auf den Weg, weil du solltest es dir wert sein. Dein Leben so zu gestalten, dass es für dich lebenswert ist. Da möchte ich einen kleinen Schlenker gehen zu sogenannten Glücksfalle. Dazu gibt es ein tolles Buch Raus aus der Glücksfalle. Irgendwie haben wir Menschen die Vorstellung entwickelt, dass wir im Leben immer glücklich und zufrieden sein müssten. Das ist irgendwie ein Ziel geworden und uns wird ja auch an verschiedensten Stellen immer wieder suggeriert: Wenn du dich nur genug anstrengen, kannst du sehr glücklich leben. Ich sehe das anders. Ich glaube das leidvolle Erfahrungen zu unserem Leben dazugehören. Das fängt damit an, dass bestimmte Menschen uns ablehnen, dass wir bestimmte Ziele nicht erreichen, die wir uns gesetzt haben. Dann geht es weiter über Schicksalsschläge die uns einfach treffen. Wir verlieren geliebte Menschen. Uns wird Schmerz zugefügt. Es gibt ganz viele Punkte in unserem Leben, die bringen einfach Leid mit sich. Und da können wir uns noch so sehr anstrengen. Wir werden uns das nicht glücklich denken oder fühlen können. Und daher mag ich diese Idee Raus aus der Glücksfalle, weil der Tenor des Buches ist: Das Leben bewegt sich in Wellen. Es gibt gute Tage, es gibt schlechte Tage. Es gibt gute Jahre, es gibt schlechte Jahre. Das Leben findet in Wellen statt. Es gibt ganz ganz tolle Phasen und es gibt Phasen die sind weniger gut und die bringen viele leidvolle Erfahrungen mit. Wir Menschen haben aber die Fähigkeit mit vermeintlich negativen Gefühlen umzugehen. Wir können Schmerz aushalten. Dafür sind wir gemacht.

Wir können auch mal traurig sein. Wir können auch mal ängstlich sein. Wir haben eigentlich all das in uns, was wir brauchen, um mit diesen Gefühlen umzugehen. Nur irgendwie geht das manchmal verloren. Es wird verschüttet. Wahrscheinlich bist du an so einem Punkt, an dem du im Augenblick auf all deine Fähigkeiten nicht zugreifen kannst. Vielleicht, weil es der unglückliche Zustand über einen zu langen Zeitraum besteht. Vielleicht aber auch, weil der Zustand zu heftig ist. Weil zu viele Dinge gleichzeitig passiert sind. Wir schauen uns an, wo du gerade stehst. Das haben wir heute getan und in den nächsten Folgen gibt’s schon hilfreiche Hinweise, Wiede jetzt losgehen kannst. Mit welchen kleinen Techniken, du schon positive Wirkung erzielen kannst.

Ich freue mich, dass du heute gelesen hast und ich danke dir dafür. Es war Zeit, die du dir für dich genommen hast und damit war es wahnsinnig wertvolle Zeit. Ich weiß, dass die Folge geprägt war durch Fragen, Fragen, Fragen. Aber so ist das bei der Bestandsaufnahme und das ist was am Beginn einer Therapie auf jeden Fall auch erfolgen sollte. Wenn es dir gefallen hat, Like sie gerne. Wenn du Themenwünsche hast, Ideen- was du hier besprochen haben möchtest- Lass mich das wissen! Ich bin in den sozialen Medien unterwegs. Du findest mich unter Sabine Bimmler oder unter Reif für die Couch?. Ich freue mich über jede Art von Rückmeldung von dir und ich hoffe dass dir diese Folge schon mal einen ersten Eindruck gegeben hat, wie die Arbeit mit diesem Podcast aussehen kann.

Ich wünsch dir einen wunderschönen Tag. Lass es dir gut gehen. Richte deinen Blick auf Dinge, die dir gut tun. Auch wenn die Situation insgesamt verfahren erscheint. Vielleicht ist es ein Mensch, der dich anlächelt. Vielleicht ist es ein schöner Anblick in die Natur. Es sind oft die kleinen Dinge, in denen das Glück liegt.

 

Und jetzt sage ich Tschüss bis zum nächsten Mal, Deine Sabine.

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