Blog #33 – Emotionales Essen auflösen – die ersten 3 Schritte

Thema heute soll das Thema Essen sein. In der letzten Folge hast du vielleicht das Interview mit Anna Feuerbach gehört. Eine jungen Frau, die seit ihrer Jugend mit Essstörungen und Depressionen zu tun hatte. Anna hat uns von ihrem Weg der Genesung erzählt. Ich würde heute gerne ein bisschen mehr Hintergrundinformationen zum Thema „Gestörtes Essen geben. Und ich werde dir Ideen geben, wie du loslegen kannst, wenn du das Gefühl hast „Hey, ich bin mit meinem Essverhalten nicht zufrieden und ich würde da gerne etwas ändern.  

 

Essen ist ein Thema, welches tatsächlich viel komplexer ist als es erstmal scheint. Jeder von uns muss essen, weil unser Körper Energie braucht, um zu funktionieren. Das heißt, wir haben es hier mit einem physiologischen Grundbedürfnis zu tun. Da wir aber genug Nahrung haben, gibt es plötzlich ganz andere Einflüsse auf das Thema Essen. Mit Essen drücken wir heute sogar unsere Persönlichkeit aus. Wir identifizieren uns darüber, wie wir essen, was wir essen und wie viel wir essen. Essen wird zu einer Art Statussymbol. Essen ist allgegenwärtig. Zeitungen, Kochbücher, Kochsendungen was es mittlerweile alles gibt, zeigt schon, wie groß und komplex dieses Thema ist.  

Auch im Therapieraum treffe ich Essen immer öfter als Thema an. Wenn das Essverhalten außer Kontrolle geraten ist, verursacht dies oft großes seelisches und körperliches Leid. 

Überleg mal, wie das gerade bei dir ist. Ist Essen dein Thema? Ist Essen unbeschwert positiv besetzt? Ich stelle dir gleich noch mehr Fragen, denn das ist tatsächlich die erste wichtige Bestandsaufnahme. Aber vorher würde ich dir einmal kurz gerne die vier Typen der Essstörung vorstellen, die jeder kennen sollte. Das erste ist die sogenannte Magersucht, Anorexie sagen wir auch dazu. Menschen hungern sich langsam in Richtung Tod. Sie mergeln ihren Körper so aus, dass sie immer weniger werden, dass sie fast verschwinden. Die zweite behandlungsbedürftige Essstörung ist das Thema Bulimie. Auch hier empfinden sich Leute als viel zu dick und beginnen, ihr Essverhalten zu restriktiv anzugehen. Das führt aber immer wieder dazu, dass sie aus diesem restriktiven Essverhalten ausbrechen und dann doch mehr essen als es ihnen eigentlich guttut. Dieses Essen erbrechen sie in der Regel bei Bulimie wieder.  

Ein drittes Thema, was dir wahrscheinlich auch in den Medien immer wieder begegnet ist die sogenannte Adipositas, also das Übergewicht. Menschen, die mehr gegessen haben als es ihrem Körper guttut und jetzt unter Übergewicht leiden, sowohl körperlich wie seelisch. Angrenzend an Adipositas gehört noch die vierte Störung, die relativ neu ist. Das ist die BingEatingStörung. Sie zeigt sich in regelrechten Fress-Anfällen, in denen die Betroffenen mehrere tausend Kalorien zu sich nehmen. Sie essen alles, was essbar in ihrer Nähe ist. Das Essen wird dabei aber nicht unbedingt erbrochen, also führt das auf Dauer zu massivem Übergewicht. Ein kurzer Überblick, wie krankhaftes Essverhalten sich äußern kann. 

Zwischen dem gesunden, unbeschwerten Essverhalten, von dem ich vorhin gesprochen habe, und zwischen diesen Essstörungen liegt ein Kontinuum. Irgendwo auf dem Kontinuum zwischen unbeschwertem und vielleicht auch intuitivem Essen und auf der anderen Seite zwischen sehr kontrolliertem Essen und krankhaften Essverhalten sortiert sich jeder ein. Wo bist du?  

Die Bestandsaufnahme. Teil 1: Wenn du dein Essverhalten ändern willst, wenn du dich auf dem Kontinuum weiter in Richtung unbeschwert bewegen möchtest, beginne mit der folgenden Frage: Ist Essen bei dir vorwiegend Selbstfürsorge? Du isst, wenn dein Körper Energie braucht. Du suchst passende Nahrung aus, die dir gut tut. Und- fühlt sich dieser Prozess unbeschwert an? Es ist wichtig, darüber mal nachzudenken. Essen ist Ausdruck davon, wie gut du dich eigentlich um dich und deinen Körper kümmerst. Weiter geht es: Siehst du positive Dinge an deinem Essverhalten? Siehst du positive Dinge an deinem Körper, an deiner Gesundheit und an deiner körperlichen Fitness? Bewertest und vergleichst du dich viel mit anderen Menschen, was das Thema Essen und Gewicht betrifft? Was ist dein Anspruch an deinen Körper in puncto Figur, Gewicht und Fitness? Es geht darum, dass du erst einmal für dich den Status quo erhebst und schaust, wie dein Verhältnis zu deinem Körper ist. Wie ist dein Verhältnis zu Essen? Da gehört auch immer ein Blick in die Vergangenheit dazu. Welche Rolle spielte Essen in deiner Kindheit und deiner Jugend? Welche Einstellung haben deine prägenden Bezugspersonen dazu gehabt und welche Botschaften aus dieser Zeit sind bei dir geblieben?  

So kommen wir jetzt schon in Richtung Glaubenssätze zum Thema Essen. Aus welchen Gründen isst du? Auch das gehört zur Bestandsaufnahme. Aus welchen Gründen hungerst du?  

Eine noch konkretere Übung wäre, dass du dich einmal hinsetzt und mal abschätzt, wie viel Zeit am Tag du an Essen denkst. Schreib einfach mal auf, was so typische Situation sind. Wann beginnst du morgens an Essen zu denken? Wann und wie oft beschäftigst du dich mit dem Thema Essen? Wenn du das für dich geschätzt hast und auch den Zeitfaktor dabei mal ausgerechnet hast, wäre eine wichtige Frage: Wie viel Zeit davon ist mit Verzicht und Disziplin verknüpft? „Sich zusammenreißen ist ein Thema. Was sich in der Praxis erlebe, ist, dass die Menschen oft überrascht sind, wenn sie dann anfangen wirklich zu protokollieren. Es ist wichtig, dass du erst einmal zu einem Detektiv deines Essverhaltens wirst. Wie ein Sherlock Holmes, der mit seiner Lupe unterwegs ist. Guck ganz genau, was sind eigentlich die Dinge, die dein Essen beeinflussen? Was drückst du mit deinem Essverhalten aus? Auch das gehört dazu. Benutzt du Essen zur Identifikation? Benutzt du es als Ausdruck deiner Persönlichkeit? Machst du bestimmte Trends mit? All das würde ich erst einmal aufschreiben.  

Dann das Thema Zucker. Es steht häufig mit Essstörungen in Zusammenhang. Die Aufnahme von Zucker macht es uns deutlich schwieriger, Essen intuitiv und bedürfnisorientiert zu uns zu nehmen. Durch die Schwankungen im Blutzuckerspiegel entstehen ganz andere körperliche Gelüste, die wir ggf zu kontrollieren versuchen. Das setzt das System unter mehr Stress und Anspannung.  

Ich möchte an dieser Stelle auch noch einmal an etwas erinnern, was ich schon recht häufig erwähnt habe. An unsere Grundbedürfnisse, die jeder Mensch hat, die auch du hast. Es geht einmal um das Thema Zugehörigkeit und Nähe und dann geht es um das Thema Kompetenzerleben und Wirksamkeit, Anerkennung und Wertschätzung. Das Bedürfnis nach Sicherheit und das Bedürfnis nach Lust. Und tatsächlich wird Essen mittlerweile benutzt, um auf all diese Bedürfnisse Einfluss zu nehmen.  

Zugehörigkeit und Nähe. Die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe, zum Beispiel einer Gruppe der Veganer, macht etwas mit dir. Du bist Teil einer Gruppe. Du fühlst dich zugehörig. Du isst kein Fleisch. Du isst keine tierischen Produkte und darüber identifizierst du dich wieder. Du drückst deine Persönlichkeit aus 

Kompetenzerleben und Wirksamkeit sind gerade in Richtung Anorexie sehr wichtig. Vor allem da erleben sich gerade Jugendliche als wirksam, während andere Lebensbereiche wie Beziehungen, die erste Liebe oder Schule außer Kontrolle geraten. Dort erleben die jungen Mädchen, die anorektisch werden, plötzlich einen Bereich, wo sie Kontrolle ausüben können, wo sie sich als wirksam erleben. Sie nehmen an Gewicht ab, wenn sie nicht mehr essen und wenn sie ganz viel Sport machen noch mehr. Andere Lebensbereiche geraten außer Kontrolle und hier beim Gewicht entsteht Kontrolle. 

Anerkennung und Wertschätzung ist natürlich immer dann das Thema, wenn es darum geht, schön zu sein, eine bestimmte Figur zu haben oder einem bestimmten Schönheitsideal zu entsprechen.  

Bezogen auf die Grundbedürfnisse noch mehr Fragen an dich: Wie steht es um deine Bedürfnisse? Was brauchst du wirklich? Worum geht es dir, was du vielleicht über das Thema Essen auslebst? Und wenn du sagst: Ich bin da total zufrieden und happy mit, dass ich über das Essen so ausdrücken kann“, dann ist alles wunderbar. Aber wenn Essen für dich ein Sorgenthema, ein leidvolles Thema wird, dann schau mal genau hin, was das mit deiner Bedürfnisbefriedigung zu tun hat. Und hier kommen wir schon zum nächsten Schritt, den ich dir gerne ans Herz legen würde.  

Entwirf ein Zielbild für dich. Was soll Essen für dich sein? Wie möchtest du dich fühlen, wenn es ums Essen geht? Natürlich auch, welches Gewicht passt zu dir? Welches Gewicht passt zu dir meint nicht, welches ist das Schönheitsideal, sondern was ist ein Gewicht, mit dem du dich körperlich wohlfühlst? Was ist dein Wohlfühlgewicht? Und welches Gewicht würde es dir ermöglichen deinen Körper zu mögen? Auch das kann eine schöne Fragestellung sein. Und wenn du dieses Bild entworfen hast, dann stell dir vor, wie es sein wird, wenn du dieses Gewicht hast, wie du dich dann fühlen wirst und wie sich das anfühlen wird, wenn Essen für dich genau das ist, was es für dich sein soll.  

Dann kannst du in die Details gehen. Wie viel Zeit möchtest du täglich aufwenden für Essen? Dazu gehören der Einkauf, die Zubereitungsart und die Essenszeit. Selbst die Verdauungspause nach dem Essen ist wichtig zu planen. Wie viel Zeit am Tag hast du für Essen? Was schmeckt dir und tut dir gut? Nicht alles, was uns schmeckt, tut uns gut. Über Dinge, die uns guttun, erfährst du in dem Podcast von Mareike Awe mehr. Achte darauf, was bestimmte Lebensmittel mit dir machen. Tun sie die wirklich gut oder eher nicht?  

Dann die Frage: Wenn du dein Zielbild klar hast, wie willst du essen? Wie bekommst du Ruhe, Achtsamkeit und Genuss in dein Essverhalten? Wie oft möchtest du essen? Wie viel möchtest du essen? All das kann in deinem Zielbild ausdifferenziert werden. Im Augenblick erlebe ich folgendes: wenn Essen zu einem leidvollen Thema wird, lassen die Leute es einfach laufen. Essen wird nicht in der ganzen Komplexität betrachtet, sondern es passiert einfach so nebenbei und mit dem Ergebnis sind die Leute häufig sehr unzufrieden. Wenn das auf dich zutrifft, dann würde ich dir raten, dich mehr mit deinem Essen zu beschäftigen und einmal genau hinzuschauen, so wie ich es gesagt habe. Du solltest den Status quo erst einmal erheben. Du solltest dir überlegen, wo du auf dem Kontinuum stehst zwischen unbeschwert intuitivem Essen und außer Kontrolle geratenem Essen. Frag dich, wo du hinmöchtest. Was soll Essen für dich sein? Was möchtest du fühlen, wenn es für dich ums Essen geht? Und dieses Zielbild gilt es zu differenzieren. 

Dazu ist es wichtig, dass du wieder zurückkommst auf deine Bedürfnisse und dich fragst, wie es um deine Bedürfnisbefriedigung aussieht. Dann merkst du, was emotional ist an deinem Essverhalten und was denn aus deinen Bedürfnissen heraus dazu führt, dass du beim Essen Dinge tust, von denen du weißt, dass sie nicht sinnvoll und nicht gesundheitsfördernd sind.  

Deine Gedanken ans Essen würde ich auch genau unter die Lupe nehmen. Wie viele Gedanken gehen zum Thema Essen? Welche Art von Gedanken sind das? Und auch hier würde ich dir raten, dir ein Bild zu schaffen, wie du über Essen denken willst.  

 

Und wenn du mit all dem anfängst, dann kannst du sicher sein, dass du deine Position auf dem Kontinuum langsam verändern kannst. In die Richtung, die du anstrebst. Und wenn dein Essverhalten tatsächlich schon so gestört ist, dass du dich entweder beim Thema Anorexie, Bulimie oder Übergewicht wiedererkannt hast, dann hol dir Hilfe. Es gibt so viele Programme da draußen. Es gibt so viele Behandlungsmöglichkeiten. Da würde ich unbedingt Kontakt mit der Krankenkasse aufnehmen, mit deinem Hausarzt sprechen oder dir vielleicht einen Therapeuten suchen.  

So das war’s für heute. Ich lege dir nochmal die anderen Podcasts zum Thema Wohlfühlen, Essen, Wohlgefühlgewicht und intuitivem Essen ans Herz, weil da all diese Dinge noch mehr ausdifferenziert werden. Heute gab es einen ersten Überblick, wie du anfangen kannst 

In diesem Sinne sag ich heute Tschüss, deine Sabine 

 

Shownotes:

Themenwünsche kannst du mir gerne an sabine@bimmler.comsenden.

Dieser Podcast Reif für die Couch? gibt Dir Ideen und Hilfe zu den folgenden Krankheitsbildern und Symptomen: Depression, Angst, Angststörung, Angstzustände, Soziale Phobie, Erschöpfung, Burnout, Burn-Out, Panik, Panikstörung, Panikattacken, Grübeln, Sorgen, Stress, Zwänge, Zwangsstörung, Achtsamkeit.

Der Podcast Reif für die Couch? verknüpft Erkenntnisse aus der Psychotherapie, insbesondere der Verhaltenstherapie und der Psychologie. Mein Ziel ist es der beste Psychologie Podcast zur werden. Inspiriert wurde ich durch großartige Vorreiter wie Laura Malina Seiler mit Happy Holy Confident, Tobias Beck mit Bewohnerfrei und dem Podcast von gedankenTanken.

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Deine Sabine