Blog #37 – Finde deine Work-Life-Balance

Ich bin Psychotherapeutin und möchte heute mit dir über das Thema Work-Life-Balance sprechen und nachdenken.  

Es ist ein Wort, das fast ein bisschen aus der Mode gekommen ist. Vermutlich weil so viele neue Trendwörter“ da sind. Ich finde jedoch, es ist ein total wichtiges Konzept und deswegen möchte ich es auch diese Woche hier unbedingt mit dir besprechen. Mit dieser Folge kannst du prüfen, wie es aktuell um deine Work-Life-Balance bestellt ist. Außerdem bekommst du Ideen, wie du eine gesunde Balance erreichen kannst, denn eine gesündere Balance bedeutet automatisch mehr Lebensqualität.  

Was genau meint dieser Begriff Work-Life-Balance überhaupt? Gemeint ist, dass weder persönliche Interessen noch berufliche Anforderungen im Leben zu kurz kommen. Mit Balance ist dabei gar nicht unbedingt gemeint, dass es 50:50 aufgeteilt ist, sondern es geht darum, was du selbst als ein gesundes Maß für dich empfindest. Was als Aufopferung, Pflicht und Stress und was als kraftgebende QualityTime wahrgenommen wird, ist hoch individuell. In der heutigen Zeit, in der immer mehr Menschen in Bereichen arbeiten, die sich auch sehr stark mit ihren persönlichen Interessen decken, wird es immer schwieriger Grenzen zu setzen. Umso wichtiger, sich dieses wichtige Konzept nochmal unter dem Aspekt anzugucken 

Es gibt eine Überzeugung, die sich in vielen Menschen festgesetzt hat, vielleicht auch in dir. Sie heißt „Viel hilft viel“. Wir lernen in bestimmten Lebensbereichen, wie zum Beispiel der Schule: Wenn wir viel lernen, bekommen wir am Ende eine gute Note. Wenn wir beim Sport viel trainieren, dann verbessern wir unsere Leistung. Das ist das Konzept von „Viel hilft viel. Es ergibt in einigen Lebensbereichen Sinn und in anderen eben auch nicht. Wenn du das nämlich auf den Beruf überträgst, dann heißt das, viel Anstrengung und viel Zeit im Job zu investieren, macht automatisch auch erfolgreich. Tatsächlich ist das etwas, was so nicht greift. Würdest du Zeit für dich und deine Freizeit zurückstellen, ist der Erfolg nicht garantiert. Zwei blöde Sachen passieren. Einerseits hast du nicht unbedingt den Erfolg, der gemessen an deiner Anstrengung und an deiner investierten Zeit, zu erwarten ist. Andererseits fehlt dir plötzlich Regeneration und Rückzugsraum. Dann kippt die Work-Life-Balance relativ schnell.  

Ein schöner Gegenpol ist das Thema „Weniger ist mehr. Es gibt ja viele Theorien, Artikel oder Coaches, die sagen Weniger ist mehr“. Du musst deine Zeit nur richtig einsetzen. Du musst die Dinge tun, die viel Wirkung haben und das, was nicht viel Wirkung hat, musst du aussortieren. Du solltest also deine Kräfte sehr fokussiert und punktgenau einsetzen, um eine möglichst große Wirkung zu erzielen. Es ist ein schönes Konzept, zu überlegen, was tu ich eigentlich den ganzen Tag bei meiner Arbeit an meinem Schreibtisch, was davon ist wirklich wirksam und wo trödele ich rum. Mir geht es in diesem Fall allerdings nicht darum, effizienter zu werden, wie im Zeitmanagement. Mir geht es darum, Zeit für dich herauszuholen. Zeit, in der du kreativ sein kannst, in der du schöne Dinge tun kannst. Quality Time, in der du deine Akkus wieder aufladen kannst.  

Dieses Thema Weniger ist mehr können wir natürlich auch auf das Thema Konsum und Geld übertragen. Wenn du sehr viel arbeitest, um sehr viel Geld zu verdienen, frage dich, wofür du das Geld brauchst. Willst du dir vielleicht unnötige Sachen kaufen? Macht es Sinn, 30 T-Shirts im Schrank zu haben? Macht es Sinn, 30 Paar Schuhe zu besitzen? Oder wäre es nicht schöner, mehr Zeit für andere Dinge zu haben? Besitz und Konsum ist etwas, was nachweislich nicht glücklich macht. Aber wir Menschen ticken anders: Können nie genug haben. Wer 30 Paar Schuhe hat, der will auch noch das 31. Paar. Bestimmt schon 20 Jahre ist es her, da ist ein schönes Buch rausgekommen. Das hieß Simplify Your Life“. Es entstand auch eine entsprechende Bewegung. Das ist jetzt schon 20 Jahre her und es hält sich seitdem in den Bestsellerlisten. Es ging damals schon darum, die Dinge einfacher zu machen. Das Leben einfacher zu machen, den Besitz einfacher/kleiner zu machen, aber auch die Tagesstruktur und die Ordnung. Auch ein schönes Konzept und Buch, wenn du dich damit mal näher beschäftigen möchtest.  

Also, „Viel hilft viel. Ein Glaubenssatz, an den ich persönlich nicht glaube. Weniger ist mehr, kann ich eher unterschreiben. Sowohl aus meiner Erfahrung als auch der Erfahrung meiner Klienten und meiner Coaches. Gerade in der Psychologie wissen wir, wenn wir uns unheimlich anstrengen, halten wir das auf Dauer nicht aus. Wohl dosiert und gut überlegt könnte auch ein Gegenmodell sein, welches du entwerfen kannst. Und wohldosiert und gut überlegt geht eigentlich nur, wenn du deine Werte und Ziele klar vor dir hast 

Also wenn du deinen Fokus auf Work bei der Work-Life-Balance setzt, dann frag dich, was du mit deiner Arbeit erreichen willst. Arbeitest du für Anerkennung? Arbeitest du für Freiheit? Geld ist häufig das Mittel, was eigentlich für Freiheit steht, weil Geld Möglichkeiten schafft. Oder willst du dich mit Arbeit ablenken von anderen Sorgen und Problemen, die du hast? Arbeitest du, um nicht über Dinge nachdenken zu müssen? Vielleicht arbeitest du dann sogar wie ein Besessener, eine Art Workaholic. Auch Arbeit kann zur Sucht werden. Vielleicht arbeitest du aber auch um Zugehörigkeit zu erleben, in einem Team dazuzugehören, in einem Unternehmen, in einer Abteilung oder in einem Projekt. Oder du willst dich in deinem Job kompetent erleben? Das ist vielleicht der Bereich, in dem du dich als kompetent und wirksam erlebst.  

Wer schon mehrere Folgen gehört hat, der erkennt diese Struktur jetzt schon wieder, die ich gerade abgefragt habe. Es geht um unsere psychologischen Grundbedürfnisse. Um die geht es sehr häufig, wenn Menschen sich völlig ihrer Arbeit verschreiben. Sie benutzen die Arbeit, um ihre psychologischen Grundbedürfnisse zu befriedigen. Sie holen sich im Job Anerkennung. Sie holen sich durch den Job Freiheit. Sie lenken sich ab von unangenehmen Themen. Sie vermeiden Unlust. Sie wollen sich zugehörig und kompetent erleben. Und all das kann man in vielen Berufen sehr gut. In der Freizeit musst du dir diese Möglichkeiten erst suchen. Ich muss mir dort überlegen, was ist mein Bedürfnis? Wie kriege ich dieses Bedürfnis gestillt? Das ist nicht jedermanns Sache, weil häufig im Freizeitbereich eine Passivität vorherherrscht. Ich bin kein Fernseh-Gegner, aber diese Art von Erholung und diese Art von Freizeit knüpft wahrlich an keines unserer Bedürfnisse an. Deswegen wird die Freizeit häufig nicht als „wertvoll“ (voll mit Werten…) erlebt. Und anstatt Fernsehen zu gucken, arbeiten viele Menschen dann lieber. Tatsächlich kann ich das sogar nachvollziehen, weil diese Art von Freizeitgestaltung einfach nicht das ist, was einem wirklich eine Zufriedenheit bringt. Dann lieber Arbeit. 

Wenn du aber ein Hobby hast, indem du dich kompetent erlebst, wo du dich mit anderen Menschen triffst und dich austauschen kannst, „zahlt das auf deine Bedürfnisse ein“. Alle Dinge, die dich wirklich mit tiefer Freude erfüllen, eignen sich 

Also, jetzt ist es an dir, erst mal nachzudenken: Hey, wie sieht es denn um meine Work-Life-Balance aus? Welche Art von Bedürfnissen bekomme ich über Work? Warum zieht mich alles, was in den Bereich Work fällt, so an? Zu Work gehört natürlich ganz klassisch der Job, aber auch wenn du im Augenblick Hausfrau und Mutter bist, ist diese Rolle in Teilen auch eine berufliche Rolle. (deinen Haushalt führen, Einkaufen, Erziehung und Kochen) Auch das kann man mit einer fast zwanghaften Akribie betreiben und so die Work-Life-Balance ins Ungleichgewicht bringen.  

Die Empfehlung, die ich ausspreche, ist eindeutig: Bau dir eine Freizeit, ein Privatleben, eine QualityTime auf. Unabhängig von der Arbeit, in der du deine Bedürfnisse befriedigen kannst. Diese Balance über die wir hier sprechen, ist wahnsinnig wichtig. Wir können uns nicht alles über die Arbeit holen, weil wir dann zu einseitig aufgestellt sind. Die Arbeit nimmt irgendwann unser gesamtes Leben ein. Das System ist zu wenig flexibel und ist sehr anfällig dafür, in Schieflage zu kommen, zum Beispiel, wenn es gerade im Beruf mal nicht so läuft. Also stell dich auf, damit du auch in beruflich schlechteren Zeiten etwas hast, was dich auffängt. Es macht viel Sinn, sich breit aufzustellen und aus verschiedensten Bereichen zu zehren.  

Ich würde dir heute gerne 2-3 Übungen vorstellen, mit denen du anfangen kannst, dich dem Thema zu nähern, wenn deine Work-Life-Balance im Ungleichgewicht ist. Diese Übungen kommen heute hier alle aus der wertorientierten Psychotherapie oder Psychologie. Ich habe mich heute bewusst für diesen wertorientierten Weg entschieden, weil der vielleicht noch nicht bekannt ist. Ich halte ihn für sehr hilfreich und erlebe auch, dass er meinen Patienten sehr hilft.  

Die erste Möglichkeit ist relativ einfach. Ich schlage vor, dass du dir eine angenehme Erinnerung in dein Gedächtnis rufst, die für dich ein reiches und erfülltes Leben versinnbildlicht. Also eine angenehme Erinnerung, die für dich ein Moment ist, in dem du sagst: Da war mein Leben reich und erfüllt. Es kann eine Erinnerung sein, die mit Liebe und Verbundenheit zu tun hat. Ein Moment, in dem du zutiefst berührt warst. Ein Moment, in dem du etwas Besonderes erreicht oder geschafft hast. Oder vielleicht auch einen Moment mit purer Lebensfreude. Dann schließt du am besten die Augen und machst die Erinnerung total lebendig. Gib all diesen Gefühlen, die mit der Erinnerung auftauchen, einfach nochmal Raum und spür` nochmal nach, wie das damals war. Führe dir das alles nochmal wie einen Film vor Augen: den Moment, wer war dabei, wo warst du, was hast du gesehen, was hast du gesagt, was hast du gehört? Durchlebe das Moment nochmal. Dann darfst erst mal kurz genießen und nochmal nachspüren. Als nächstes kommt die Auswertung. Zeigt dir diese Erinnerung, was dir wichtig ist im Leben? Es ist nicht so einfach, da nachzuspüren. Welche persönlichen Eigenschaften hast du in dieser Situation gezeigt? Wie bist du mit dir selbst und anderen um dich herum in dieser Situation umgegangen? Und was zeigt dir diese Erinnerung darüber, wie du dich verhalten möchtest? Das sind Reflexionsfragen, mit denen du deine angenehme Erinnerung nochmal auswerten kannst. Außerdem können dich diese Fragen auf direktem Weg zu deinen Werten führen. Falls du jetzt mit dem Podcast in einer Situation bist, in der du die Übung nicht gut machen kannst, wiederholen sie später einfach nochmal, es ist ja nicht schwierig, sondern schön. Vielleicht hörst du dir die Fragen nochmal an und durchläufst nicht nur eine, sondern zwei, drei oder vier Erinnerungen und schreibst dir deine Antworten zu den Fragen auf 

Ich würde gern direkt eine zweite Übung anknüpfen, die direkt danach gemacht werden kann, die aber auch für sich alleinstehen kann. Stell dir vor, du bist auf deinem 80. Geburtstag. Du hast Menschen um dich versammelt, die du im Laufe deines Lebens getroffen, kennen und schätzen gelernt hast. Zum Glück leben sie noch alle. Sie sind alle dabei. Aus den verschiedenen Bereichen, Zeiten und Phasen deines Lebens treten nun Menschen vor und halten eine Rede über dich. Überleg doch mal, wen du dir als Redner wünschen würdest. Wer soll da sein und auf deinem 80. Geburtstag zu dir und über dich sprechen? Wer wäre dir wichtig? Geh noch einen Schritt weiter und überlege dir, was du dir wünscht, was diese Leute über dich sagen. Auch hier ist ein Zettel und ein Stift sehr hilfreich, denn es tauchen so viele Gedanken auf, wenn man sich auf diese Übung einlässt. Das kann man sich gar nicht alles merken. Es wäre wichtig, dass du einfach so runter schreibst. Schreib deine Geburtstagsreden zu deinem 80. Geburtstag. Erzähl von all den Menschen, von denen du dir wünschst, dass sie da sind. Das darf jeder sein, auch wenn die Menschen schon verstorben sind. Sie dürfen zu diesem Ereignis wieder auferstehen. Du darfst dir das wünschen. Einige von euch kennen diese Übung vielleicht als Grabrede-Übung. Etwas krasser kann man diese Übung eben auch praktizieren, indem man seine eigene Grabrede schreibt. Das ist auch eine Möglichkeit. Ich persönlich mag die Möglichkeit mit dem 80. Geburtstag lieber. Vermutlich, weil ich Fan von positiver Psychologie bin. Ich hoffe, du nimmst dir die Zeit und führst sie durch 

Wenn du beide Übungen gemacht und viel geschrieben hast, dann folgt der Abgleich. Wo lebst du schon deinen Werten entsprechend? Das kann man auf verschiedene Bereiche herunterbrechen, zum Beispiel auf das Thema Beziehung. Lebst du das Thema Beziehung deinen Werten entsprechend? Lebst du das Thema Gesundheit deinen Werten entsprechend? Was ist mit dem Thema Beruf, lebst du das deinen Werten entsprechend? Und was ist mit dem Thema deiner Freizeit, lebst du da gemäß deinen Werten? Du siehst, die Werte gehen noch über die psychologischen Bedürfnisse ein Stück weit hinaus, weil sie individueller und wählbar sind. Die psychologischen Bedürfnisse hat jeder. Und die Befriedigung dieser Bedürfnisse liegt sozusagen in der Natur des Menschen. Aber deine Werte, nämlich wie du leben willst, wie du arbeiten willst, wie du sein willst, darfst du ganz frei entscheiden und wählen. Das hast du auch schon getan, weil sich das in Regel in den frühen Erwachsenenjahren herausbildet. Es verschiebt sich manchmal noch ein bisschen, aber es gibt keine Eruption wie einen Vulkanausbruch, sondern eher leichte Verschiebungen, weil die Lebensphase sich ändert. Schreib bitte viel, während du diesen Prozess durchläufst. Das alles dauert einfach eine Weile. Das ist nichts, was man in einer Stunde oder an einem Tag klar kriegt. Deswegen ist es so wichtig, dass du dir Notizen machst, auf die du immer wieder zurückgreifen kannst.  

In diesem Sinne: Tschüss. Wenn du die Folge hilfreich fandest und sie dir gefallen hat, würde ich mich über eine Bewertung sehr freuen. Oder du schreibst mir eine E-Mail. Das haben in letzter Zeit einige meiner Zuhörer getan und es war sehr schön, weil dieses direkte Feedback zu dem Podcast und Blog ein besonderer Lohn für meine Arbeit hier ist.  

Ich wünsche einen ganz schönen Tag, deine Sabine.  

 

Shownotes:

Themenwünsche kannst du mir gerne an sabine@bimmler.comsenden.

Dieser Podcast Reif für die Couch? gibt Dir Ideen und Hilfe zu den folgenden Krankheitsbildern und Symptomen: Depression, Angst, Angststörung, Angstzustände, Soziale Phobie, Erschöpfung, Burnout, Burn-Out, Panik, Panikstörung, Panikattacken, Grübeln, Sorgen, Stress, Zwänge, Zwangsstörung, Achtsamkeit.

Der Podcast Reif für die Couch? verknüpft Erkenntnisse aus der Psychotherapie, insbesondere der Verhaltenstherapie und der Psychologie. Mein Ziel ist es der beste Psychologie Podcast zur werden. Inspiriert wurde ich durch großartige Vorreiter wie Laura Malina Seiler mit Happy Holy Confident, Tobias Beck mit Bewohnerfrei und dem Podcast von gedankenTanken.

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Leg los. ich freue mich auf dich!

Deine Sabine